TK-Chef Baas will private und gesetzliche Krankenversicherung abschaffen
Der Chef der größten deutschen Krankenkasse wirbt für ein gemeinsames System, das die Stärken von gesetzlicher und privater Versicherung vereint. Gewinne sollen darin nicht abfließen dürfen.

Archivbild · Foto: Nele Martensen / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, wirbt für einen grundlegenden Umbau des dualen Systems aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung. „Wir sollten die private Krankenversicherung abschaffen, die gesetzliche aber auch“, sagte er dem „Spiegel“. An die Stelle beider solle ein gemeinsames System treten. Die TK ist mit mehr als zwölf Millionen Versicherten die größte Krankenkasse Deutschlands.
Aus der gesetzlichen Versicherung will Baas das Verbot der Risikoselektion übernehmen: Versicherer sollen sich nicht nur kostengünstige Kunden aussuchen dürfen. Zudem sollen Versicherte jederzeit wechseln können, Gewinne dürften nicht abgeschöpft werden, und es brauche festgelegte Standards für die Leistungen. An der privaten Seite lobt er, dass der Staat nicht an deren Altersrückstellungen herankomme, sowie die größere Freiheit bei Verträgen mit Ärzten, Kliniken und Therapeuten.
Diese Freiheit könnten private Versicherer nach Baas' Worten aber meist nicht nutzen, weil sie zu klein seien – in einem gemeinsamen System lasse sie sich umsetzen. Die Debatte über das Nebeneinander beider Systeme hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im September angestoßen. Er sprach von einem Gerechtigkeitsproblem, wenn Privatversicherte als bevorzugt behandelt wahrgenommen würden, und deutete Änderungen an.
