Hurrikan Polo: Klimawandel wirkte mindestens so stark wie El Niño
Schnellanalyse von World Weather Attribution: Die Erwärmung machte die Bedingungen für den Rekordsturm im Pazifik rund 23-mal wahrscheinlicher, El Niño etwa 14-mal. Begutachtet ist die Studie noch nicht.

Foto: GOES imagery: CSU/CIRA & NOAA / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Hurrikan „Polo“ war im September der langlebigste Sturm der höchsten Kategorie 5, der je im Pazifik registriert wurde: Er hielt diese Stärke zweieinhalb Tage und wuchs binnen etwa 24 Stunden vom Tropensturm zum Kategorie-5-Hurrikan. Am 28. September traf er abgeschwächt auf Baja California Sur, am 29. September auf das mexikanische Festland bei Guaymas. Laut World Weather Attribution (WWA) starben bei Überschwemmungen vier Menschen in Jalisco und einer in Sonora. Im US-Bundesstaat New Mexico wurden wegen eines drohenden Dammbruchs rund 1000 Menschen in Sicherheit gebracht.
Eine am 15. Oktober veröffentlichte Schnellanalyse der WWA mit Forschenden aus Mexiko, den USA, Großbritannien, Irland und den Niederlanden kommt zu dem Schluss, dass der menschengemachte Klimawandel die Bedingungen für die maximal mögliche Sturmstärke (potenzielle Intensität) rund 23-mal wahrscheinlicher gemacht und um etwa 5 Meter pro Sekunde erhöht hat. Das starke El Niño machte sie etwa 14-mal wahrscheinlicher, plus rund 4,2 Meter pro Sekunde. Ohne menschlichen Einfluss wären solche Bedingungen statistisch ein Ereignis für etwa alle 115 Jahre. Das Meer entlang der Zugbahn war rund 1,4 Grad wärmer als vorindustriell, solche Temperaturen sind laut WWA etwa 200-mal wahrscheinlicher geworden. Die an der Studie beteiligte Organisation Climate Central kommt mit einer etwas anderen Methode zu einem ähnlichen Ergebnis: Der Klimawandel erhöhte Polos Windgeschwindigkeit um knapp 10 km/h, El Niño um etwa 8 km/h.
„El Niño kommt und geht, aber der Klimawandel wird nur schlimmer“, sagte WWA-Leiterin Friederike Otto der Nachrichtenagentur AP. Die Studie ist nicht von Fachkollegen begutachtet. Den Einfluss des Klimawandels auf die extremen Regenmengen konnten die Forschenden nicht beziffern, weil Klimamodelle die beobachteten Trends in der Region nicht abbilden; Messdaten zeigen aber, dass solche Starkregen etwa sechsmal so wahrscheinlich geworden sind. Mitautor Daniel Gilford von Climate Central räumt ein, dass die Schätzung eher vorsichtig ausfallen könnte. Mehrere unabhängige Forscher, darunter Michael Mann (University of Pennsylvania), halten den Klimaeffekt für eher unterschätzt.
