Plexiglas zurück zum Rohstoff: ETH-Verfahren spaltet Acrylglas bei gut 200 Grad
Ein einziges günstiges Reagenz genügt: Forschende der ETH Zürich zerlegen Acrylglas ohne Lösungsmittel in seine Bausteine – bei rund halb so hoher Temperatur wie bisher und mit bis zu 98 Prozent Ausbeute.

Symbolbild · Foto: Craig Cameron / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (zugeschnitten und skaliert)
Ein Team um die Materialwissenschaftlerin Athina Anastasaki von der ETH Zürich hat ein Verfahren vorgestellt, mit dem sich Acrylglas (PMMA, bekannt als Plexiglas) chemisch recyceln lässt. Die Studie ist im Fachjournal Nature Chemistry erschienen, die ETH berichtete am 19. Oktober darüber. Erstautor ist Richard Whitfield, ein früherer Mitarbeiter der Gruppe.
Der Kunststoff wird dabei mit einem einzigen handelsüblichen und günstigen Reagenz aus der Gruppe der N-Hydroxyimide in seine Monomere zerlegt – ohne Lösungsmittel. Die Zersetzung beginnt laut ETH schon bei etwas über 200 Grad Celsius statt wie bisher bei mindestens 400 Grad; die Ausbeute an Monomeren erreicht bis zu 98 Prozent. Die zurückgewonnenen Bausteine sind sehr rein, auch wenn das Ausgangsmaterial Farbstoffe enthält, und ergeben neue Kunststoffe in Originalqualität. „What makes our new approach so exciting is its simplicity“, sagt Whitfield.
Die bisher übliche Pyrolyse arbeitet über 400 Grad und liefert Monomere mit bis zu drei Prozent Verunreinigungen. Das neue Verfahren soll mit bestehenden Anlagen funktionieren. Die ETH hat ein Patent angemeldet und sucht Lizenznehmer; als Nächstes will das Team den Prozess hochskalieren und das Prinzip auf Polystyrol übertragen.
