Viren gegen resistente Keime: 1,5 Millionen Euro für Braunschweiger Phagenforschung
Der HZI-Forscher Milan Gerovac erhält einen ERC Starting Grant. Er will verstehen, wie manche Phagen dauerhaft in Bakterien leben – und daraus Mittel gegen resistente Erreger entwickeln.

Archivbild · Foto: TeWeBs / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (zugeschnitten und skaliert)
Bakteriophagen, kurz Phagen, sind Viren, die ausschließlich Bakterien befallen. Sie gelten als vielversprechende Möglichkeit gegen Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern. Nach Angaben des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig stehen weltweit jedes Jahr mehr als vier Millionen Todesfälle im Zusammenhang mit Resistenzen gegen antimikrobielle Mittel. Der HZI-Nachwuchsgruppenleiter Milan Gerovac erhält nun für seine Phagenforschung einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) über 1,5 Millionen Euro für fünf Jahre, wie das Zentrum am Dienstag mitteilte.
Im Projekt PEPHI (Permanent Phage Infections) geht es um dauerhafte Phageninfektionen. Dabei vermehren sich manche Phagen über Generationen im Gleichtakt mit ihrem Wirt, ohne das Bakterium aufzulösen. Das Team konzentriert sich auf sogenannte zellkernbildende Phagen, deren Proteinhülle der Schlüssel zu dieser Vermehrungsweise sein könnte. „Perspektivisch wollen wir gezielt hypervirulente Phagen entwickeln, die nicht mit Bakterien koexistieren“, sagte Gerovac. Solche Phagen sollen Bakterien direkt zerstören.
Gerovac leitet seit 2024 die Forschungsgruppe „Komplexe in Phageninfizierten Zellen“ im HZI-Programm MICROSTAR. Zuvor forschte er als Postdoc an der Universität Würzburg und am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI). „Der ERC Starting Grant ist die höchste Anerkennung für Nachwuchsforschende in Europa“, sagte der wissenschaftliche Geschäftsführer des HZI, Josef Penninger. Es handelt sich um Grundlagenforschung; Therapien für Patientinnen und Patienten sind daraus bislang nicht entstanden.
