Portugal: Polizei räumt Protestcamps – Tausende kehren auf die Plätze zurück
In Lissabon und Porto hat die Polizei Zeltlager gegen Wohnungsnot geräumt und 55 Menschen festgenommen. Am Abend strömten nach Angaben der Organisatoren wieder Tausende auf die Plätze.

Archivbild · Foto: This photo was taken by Anton Zelenov. Please credit this with : Photo : Anton Zelenov in the immediate vicinity of the / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (zugeschnitten und skaliert)
Die portugiesische Polizei hat am Dienstag kurz vor 6 Uhr morgens Protestcamps gegen die Wohnungsnot in Lissabon und Porto geräumt und 55 Menschen festgenommen. Auf dem Rossio-Platz in Lissabon standen seit Samstag rund 200 Zelte, auf dem Platz Dom João I in Porto campierten Aktivisten seit etwa zehn Tagen. Dort bauten die Demonstranten ihre Zelte nach der Aufforderung selbst ab. Eine Sprecherin des Lissabonner Camps nannte den Einsatz „sehr aggressiv“. Polizeisuperintendent Sergio Soares sprach dagegen von einer Räumung, die „ruhig, verhältnismäßig und angemessen“ verlaufen sei. Zwei Menschen wurden leicht verletzt.
Die Festgenommenen kamen bis zu einem Gerichtstermin in Lissabon frei. Am Abend kehrten nach Angaben der Organisatoren an beiden Orten jeweils mehr als 1000 Menschen zurück; in Lissabon versuchten Demonstranten, das Lager wieder aufzubauen. Die Aktivisten verlangen, dass die Mitte-rechts-Regierung einen Gesetzentwurf zurückzieht, der Zwangsräumungen erleichtern und Mietobergrenzen bei Neuverträgen abschaffen würde; er hat die erste Lesung im Parlament passiert. Die Kaufpreise für Wohnungen haben sich in Portugal seit 2017 mehr als verdoppelt, die Mieten bei Neuverträgen fast verdoppelt.
