Berlin --:--Mittwoch, 21. Oktober 2026
LIVE
KlimaNACHRICHTENFAKTENKONTEXT
Klima ·

Studie: Klimawandel verdoppelte Hitzetote in Belgien bei der Hitzewelle im Juni

Eine Schnellanalyse der Vrije Universiteit Brussel schätzt 1.181 Hitzetote vom 17. bis 28. Juni – 665 davon gehen demnach auf den Klimawandel zurück. Die Studie ist noch nicht begutachtet.

Der Klimawandel hat die Zahl der Hitzetoten während der belgischen Hitzewelle im Juni 2026 etwa verdoppelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Schnellanalyse der Vrije Universiteit Brussel (VUB), die am 16. Oktober als Bericht veröffentlicht und am 20. Oktober vorgestellt wurde. Für den Zeitraum vom 17. bis 28. Juni schätzen die Forschenden um Erstautor Maxim Sleypen und Seniorautor Wim Thiery 1.181 hitzebedingte Todesfälle – etwa ein Viertel aller Todesfälle in dieser Zeit. 665 davon, also 56 Prozent, führen sie auf den menschengemachten Klimawandel zurück. Ohne ihn wären es rechnerisch 516 gewesen.

Methodisch kombiniert die Studie epidemiologische Modelle, die Tageshöchsttemperaturen mit dem Sterberisiko verknüpfen, mit der Zuordnungsforschung (Attribution). Demnach machte die menschengemachte Erwärmung die zwölf heißesten Tage um 3,9 Grad wärmer. Am 26. Juni lag die mittlere Tageshöchsttemperatur bei gemessenen 36,0 Grad statt modellierten 32,1 Grad ohne Klimawandel. In Uccle wurden 35,5 Grad gemessen; in der Nacht zum 25. Juni sank die Temperatur nicht unter 24,1 Grad – die höchste Tiefsttemperatur einer belgischen Hitzewelle seit 1892. Das Gesundheitsinstitut Sciensano zählte 2.018 Übersterbefälle während und kurz nach der Hitzewelle.

Die Last war ungleich verteilt: Die Hälfte der Hitzetoten war 85 Jahre oder älter, Frauen waren stärker betroffen als Männer. Die höchste klimabedingte Sterberate hatte die Provinz Lüttich mit 9 bis 11 je 100.000 Einwohner, gefolgt von Hennegau und Namur mit 7 bis 9. Wichtig: Der Bericht ist noch nicht von Fachkollegen begutachtet, stützt sich aber auf etablierte, begutachtete Methoden; die Ergebnisse können sich leicht ändern. Für die Gesamtzahlen nennt die Mitteilung keine Unsicherheitsspannen. „Die globale Erwärmung kostet in Belgien schon heute Leben“, sagte Sleypen.

Mehr aus dem Ressort

← Klima