WTO-Chefin: Kriege verändern den Welthandel dauerhaft – KI verdeckt Schwächen
Ngozi Okonjo-Iweala erwartet, dass Firmen neue, teurere Handelswege beibehalten. Der KI-Boom überdecke Trends, die nicht positiv seien, sagte sie am Rande der IWF-Tagung.

Archivbild · Foto: World Trade Organization / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 (zugeschnitten und skaliert)
Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie geopolitische Verschiebungen werden den Welthandel nach Einschätzung der Welthandelsorganisation (WTO) dauerhaft prägen. Unternehmen sicherten sich gegen künftige Schocks ab, sagte WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala der Nachrichtenagentur Reuters am Rande der IWF- und Weltbank-Tagung in Bangkok. „Es gibt absolut keinen Zweifel, dass die Lieferketten umgebaut werden“, sagte sie. Firmenchefs hätten neue Handelsrouten gefunden, die teurer seien – einige davon würden bleiben.
Der Handel in der Nahost-Region sei wegen des Kriegs mit dem Iran stark eingebrochen, die Erholung werde Zeit brauchen, manche Veränderungen könnten endgültig sein. Experten aus der Privatwirtschaft rechnen zwar mit einer Erholung, sobald der Krieg endet und die Straße von Hormus wieder offen ist. Okonjo-Iweala betonte jedoch, wiederkehrende Konflikte machten Diversifizierung und Notfallpläne nötig. Als weitere Störquelle nannte sie die Zollwelle von US-Präsident Donald Trump.
Erst vergangene Woche hatte die WTO ihre Prognose für das Wachstum des weltweiten Warenhandels 2026 von 1,9 auf 3,9 Prozent angehoben, weil die Nachfrage nach KI-Technik die Kriegsfolgen teilweise ausgleicht. „Die Wirkung der künstlichen Intelligenz verdeckt andere Trends im Handel, die nicht auf der positiven Seite stehen“, warnte Okonjo-Iweala nun. Der Ausblick bleibe unsicher – wegen der Konflikte, der Zölle und der Sorge, dass der KI-Boom abflauen oder platzen könnte. Fast drei Viertel des Welthandels liefen aber weiterhin nach WTO-Regeln.
