IWF: Nahost-Wirtschaft schrumpft 2026 – Puffer gegen Energieschock werden knapp
Der Währungsfonds erwartet für Nahost, Nordafrika und Pakistan ein Minus von 1,3 Prozent. Neue Störungen bei Energie oder Schifffahrt könnten die Preise noch stärker treiben.

Symbolbild · Foto: International Monetary Fund / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor einem noch stärkeren wirtschaftlichen Schock im Nahen Osten, falls es zu neuen Unterbrechungen bei Energieversorgung oder Schifffahrt kommt. Die größten Risiken seien ein langer Krieg und neue Ausfälle bei Energieproduktion, Seeverkehr oder kritischer Infrastruktur, sagte Jihad Azour, Direktor der IWF-Abteilung für Nahost und Zentralasien, am Donnerstag bei der Jahrestagung in Bangkok. Bisher sei der Energieschock durch Überschüsse aus der Vorkriegszeit, alternative Lieferrouten, eine geringere Nachfrage und den Abbau von Lagerbeständen abgefedert worden.
Diese Puffer seien aber begrenzt, so Azour: Die Lagerbestände seien gesunken, die freien Förderkapazitäten kleiner geworden. Neue Störungen könnten deshalb deutlich stärkere Preisschwankungen auslösen. Für die Region Nahost, Nordafrika und Pakistan erwartet der IWF 2026 ein Schrumpfen der Wirtschaft um 1,3 Prozent, nach 3,3 Prozent Wachstum 2025. Für 2027 rechnet er mit einer kräftigen, aber ungleichen Erholung um 6,6 Prozent – vorausgesetzt, Warenverkehr und Schifffahrt normalisieren sich im ersten Quartal 2027.
Die Ölpreise dürften laut IWF höher bleiben. Ölexportierende Länder, die direkt vom Krieg betroffen sind, würden 2026 deutlich schrumpfen und 2027 kräftig zulegen, aber unter den mittelfristigen Prognosen von vor dem Konflikt bleiben. Für den Kaukasus und Zentralasien sagt der IWF eine Abschwächung des Wachstums auf 5,2 Prozent 2026 und 5,0 Prozent 2027 voraus. Azour riet den Regierungen, Preisstabilität Vorrang zu geben und finanzielle Reserven wieder aufzubauen. Den ausführlichen Regionalbericht will der IWF am 22. Oktober vorlegen.
