Tigray: Äthiopische Truppen rücken in Aksum ein – Eritrea bestreitet Verluste
Regierungstruppen und verbündete Milizen weiten ihre Kontrolle in Tigray aus. Eritreische Soldaten ziehen sich laut Beobachtern zurück, US-Außenminister Rubio mahnt zur Deeskalation.

Archivbild · Foto: Tesfawel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Äthiopische Regierungstruppen und die verbündete Miliz Tigray Peace Force (TPF) sind in die historische Stadt Aksum im Norden Tigrays eingerückt. Das dokumentierte die unabhängige Konfliktbeobachtungsgruppe ACLED. Rivalisierende tigrayische Kämpfer hielten sich demnach in den umliegenden Bergen auf. ACLED berichtete zudem, eritreische Truppen zögen sich über den Grenzort Zalambessa zurück; am Dienstag seien äthiopische Panzer und schwere Waffen in Richtung Grenze verlegt worden.
TPF-Sprecher Solomon Hailemariam sagte der Nachrichtenagentur AFP, die eritreischen Truppen hätten „schwere Verluste“ erlitten. Eritreas Informationsminister Yemane Gebremeskel wies das als falsch zurück und nannte die Miliz „nicht vertrauenswürdig“. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Eine ausländische Sicherheitsquelle schätzte, dass 5.000 bis 8.000 eritreische Soldaten zur Unterstützung der TPLF nach Äthiopien geschickt worden waren. Eritrea wirft Äthiopien vor, den Konflikt als Vorwand nutzen zu wollen, um den Hafen Assab am Roten Meer zu erobern.
Addis Abeba beschuldigt Eritrea, den Sudan und Ägypten, ein Rebellenbündnis gegen die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed zu unterstützen; Khartum und Kairo weisen das zurück. Anfang Oktober hatten die Regierungstruppen die Regionalhauptstadt Mekele eingenommen, beide Länder brachen ihre diplomatischen Beziehungen ab. US-Außenminister Marco Rubio rief Abiy am Mittwoch in einem Telefonat zur Deeskalation auf. Die International Crisis Group warnte am Montag, beide Staaten stünden „gefährlich nah“ vor einem umfassenden Krieg.
