Serbien vor der Wahl: Studenten wollen vom Protest an die Regierung
Am 25. Oktober wählt Serbien vorzeitig ein neues Parlament. Die aus zwei Jahren Protest hervorgegangene Studentenliste tritt gegen die Partei von Aleksandar Vučić an, der Regierungschef werden will.

Symbolbild · Foto: kallerna / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Neun Tage vor der vorgezogenen Parlamentswahl in Serbien am 25. Oktober versucht die studentische Protestbewegung, Druck von der Straße in politische Macht umzumünzen. Ihre Studentenliste tritt gegen die Serbische Fortschrittspartei (SNS) von Aleksandar Vučić an, die seit 2012 regiert. Vučić war im vergangenen Monat als Präsident zurückgetreten, um den Wahlkampf seiner Partei anzuführen, und will als Ministerpräsident zurückkehren. Er ist seit 2014 entweder Präsident oder Regierungschef; die Wahl gilt als Referendum über ihn.
Die Kandidaten der Studentenliste wurden in Plenarversammlungen an den Fakultäten ausgewählt. Studierende selbst kandidieren nicht; amtierende Mitglieder der Regierungsparteien waren ausgeschlossen, Oppositionspolitiker durften nur ohne Führungsamt antreten. Die meisten Kandidaten sind öffentlich kaum bekannt; zu den prominenten Sprechern zählt der frühere Zentralbankchef Dejan Šoškić. Das Programm setzt auf Pressefreiheit, unabhängige Justiz, ein Gesetz zur Prüfung der Herkunft von Vermögen sowie bessere Bildung, Gesundheitsversorgung und bezahlbaren Wohnraum.
Die Proteste hatten im November 2024 begonnen, nachdem beim Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad 16 Menschen ums Leben gekommen waren. Vučić wirbt mit Stabilität und guten Beziehungen zu China, Russland und den USA bei fortgesetztem EU-Kurs. Das Komitee zum Schutz von Journalisten warnte, dass Reporter im Wahlkampf gewaltsam angegriffen worden seien. Die EU-Delegation in Belgrad mahnte „freie, faire und transparente Wahlen im Einklang mit internationalen Standards“ an.
