Gleicher Text, weniger Vertrauen: Studierende sind bei KI-Aufklärung skeptisch
In einem US-Experiment bewerteten Studierende identische Texte zur sexuellen Gesundheit schlechter, wenn sie glaubten, eine KI habe sie geschrieben. Die Forschenden sehen darin auch gesunde Vorsicht.

Symbolbild · Foto: Jernej Furman from Slovenia / Wikimedia Commons, CC BY 2.0 (zugeschnitten und skaliert)
Wie glaubwürdig finden junge Erwachsene Informationen zur sexuellen Gesundheit, die von einer künstlichen Intelligenz stammen? Dazu haben Forschende der University of Central Florida und der University of Alabama ein Experiment mit Studierenden einer Universität im Südosten der USA durchgeführt; es erschien am 19. Oktober online in der Fachzeitschrift Archives of Sexual Behavior. Von 420 Teilnehmenden wurden nach Qualitätsprüfungen 266 ausgewertet, im Schnitt 22 Jahre alt, 63,2 Prozent Frauen. Alle lasen dieselben drei Texte zu sexueller Kommunikation, Körperbild sowie Lust und Sicherheit – geschrieben hatte sie in allen Fällen ChatGPT-3.5. Als Verfasser angegeben war aber wahlweise eine KI, ein Fachexperte oder eine Fachkraft beziehungsweise Gleichaltrige aus dem Umfeld.
Die vermeintliche Herkunft machte einen deutlichen Unterschied: Texte, die als KI-generiert ausgewiesen waren, schnitten bei allen fünf Kriterien – Genauigkeit und Verständlichkeit, Wärme und Hilfsbereitschaft, Vertrauenswürdigkeit, Zutrauen in die eigene Umsetzung und Handlungsbereitschaft – schlechter ab als angebliche Experten-Texte. Bei Vertrauen und Handlungsbereitschaft lagen sie auch hinter den Texten aus dem Umfeld. Beim Thema Lust und Sicherheit war die Rangfolge besonders klar, bei sexueller Kommunikation zeigte sich bei der Handlungsbereitschaft kein Unterschied. Die Forschenden deuten das geringere Vertrauen auch als mögliche angemessene Vorsicht und sehen KI eher als Ergänzung zu menschlicher Beratung.
Die Studie hat Grenzen: Befragt wurden nur Studierende einer Hochschule, überwiegend Frauen; die Fragebögen waren nicht formal validiert, die Texte stammten von einem älteren KI-Modell, und gemessen wurden Absichten, nicht tatsächliches Verhalten. Eine zweite Studie in derselben Zeitschrift, veröffentlicht am 20. Oktober, beleuchtet die andere Seite: Ein Team der Universitäten Laval, Montréal und UQAM ließ ChatGPT-3.5 auf 393 anonymisierte Fragen von 14- bis 16-Jährigen an eine Beratungsstelle antworten. Die Antworten betonten Selbstfürsorge, offene Kommunikation und die Suche nach Unterstützung; die Autoren sehen darin Potenzial für eine umfassende Sexualaufklärung.
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