Betrug an Krankenkasse: Gericht in Plowdiw lässt mutmaßliche Organisatorin in Haft
Eine Medizinprofessorin soll fingierte Klinikaufenthalte für rund 3 Millionen Euro organisiert haben. Vor Gericht sprach sie von moralischer Schuld.

Symbolbild · Foto: Isip2 westboro / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Das Berufungsgericht in Plowdiw hat am Donnerstag die Untersuchungshaft für die mutmaßliche Organisatorin eines groß angelegten Betrugs an der staatlichen Krankenkasse NZOK bestätigt. Die Medizinprofessorin Mariela G. ist aus der Haft heraus von ihren Leitungsposten an der Uniklinik „Sweti Georgi“ und an der Medizinischen Universität Plowdiw zurückgetreten. Laut Anklage wurden über fingierte Untersuchungen und Klinikaufenthalte rund 3 Millionen Euro bei der Kasse abgerechnet, dabei sollen die Daten von 2.500 Patienten missbraucht worden sein.
Die Verteidigung hatte eine mildere Maßnahme bis hin zu einer Kaution beantragt. Staatsanwältin Jordanka Tilowa argumentierte, die Beschuldigte könne auch von außen auf Zeugen einwirken, zumal „noch viele Ermittlungsschritte bevorstehen“. Das Gericht sah eine reale Gefahr, dass sie weitere Straftaten begehen, Zeugen beeinflussen oder Unterlagen in einem medizinischen Zentrum verändern könnte, dessen Mehrheitseignerin sie ist. Vor Gericht sagte sie laut BNT, sie empfinde Schuld „nicht nur als Strafe, sondern auch rein moralisch“; eine führende Rolle in dem System räumte sie nicht ein.
Auch in Blagoewgrad ermittelt die Staatsanwaltschaft: Im dortigen Lungenkrankenhaus sollen zwischen Januar 2020 und Januar 2021 48 fiktive Klinikaufenthalte für knapp 20.000 Euro abgerechnet worden sein. Verdächtigt werden der frühere Direktor und die damalige Oberschwester. Die regionale Krankenkasse verhängte eine Sanktion; die Klage der Klinik dagegen wies das Verwaltungsgericht Blagoewgrad ab, das Oberste Verwaltungsgericht soll bis Ende Oktober endgültig entscheiden. Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.
