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Freunde per App: Auch bei der Suche nach Freundschaft wird oft geghostet

Bumble BFF, Timeleft oder 222 sollen Menschen zu neuen Freunden verhelfen. Eine Reportage der Washington Post zeigt: Viele Nutzer erleben dieselben Enttäuschungen wie beim Online-Dating.

Eigene Titelgrafik der Redaktion: Freundschafts-Apps und Ghosting

Grafik: TERRA WORLD NEWS (eigene Darstellung nach den genannten Quellen)

Apps für platonische Bekanntschaften wachsen: Bei Bumble BFF, dem 2016 gestarteten Freundschaftsableger der Dating-App Bumble, ist die Zahl der Menschen, die den Dienst mindestens einmal pro Woche nutzen, nach Angaben einer Sprecherin binnen eines Jahres um 80 Prozent gestiegen. Hinzu kommen jüngere Anbieter, die in den vergangenen drei Jahren gestartet sind: Timeleft bringt Fremde anhand eines Fragebogens zu Abendessen und anderen Treffen zusammen und gibt nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Nutzer in über 200 Städten in 52 Ländern an. 222 setzt sechs Fremde an einen Tisch, ist in 21 Städten aktiv und spricht von mehr als 100.000 Mitgliedern. Sonder setzt auf visuelle Moodboards und lokale Aktivitäten wie Spaziergänge oder Spieleabende.

Eine Reportage der Washington Post, die am 30. Oktober auch in der Zeitung The Spokesman-Review erschien, schildert allerdings vertraute Probleme. Eine junge Frau fand über BFF zunächst eine Gruppe, doch die Freundschaften zerfielen nach einem Streit und einem Umzug; ein Abendessen über Timeleft passte später nicht, beim anschließenden offenen Treffen lernte sie aber eine Gruppe kennen, mit der sie sich nun wöchentlich trifft. Ein 28-Jähriger empfand Treffen mit Matches als unangenehm und löschte die App. Eine andere Nutzerin berichtet nach vier Jahren von ungewollten romantischen Annäherungen, Anwerbeversuchen für Strukturvertriebe und Ghosting nach drei Treffen – sie bleibt trotzdem angemeldet, „just in case“ („für alle Fälle“).

Eric Balki von der Fakultät für Gesundheit und Medizin der Lancaster University, der Algorithmen von Dating-Apps erforscht, sagte der Zeitung, auch Freundschafts-Apps seien „designed to keep you on there“ („darauf ausgelegt, dass man dabeibleibt“); er vergleicht das Matching mit Spielautomaten, deren gelegentliche kleine Belohnungen Nutzer zurückholen. Die Historikerin Sarah Gold McBride von der University of California, Berkeley, beobachtet, dass Studierende vor Seminaren auf ihre Handys schauen – und so die beiläufigen Gespräche wegfallen, aus denen Freundschaften entstehen können. Bumble verweist auf Gruppen und Veranstaltungen für persönliche Treffen: „What we're seeing on BFF reinforces that desire“ („Was wir bei BFF sehen, bestärkt diesen Wunsch“), so die Sprecherin.

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder medizinische Beratung. Angaben mit dem genannten Datenstand.

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