Berlin --:--Samstag, 31. Oktober 2026
LIVE
Leben & AlltagNACHRICHTENFAKTENKONTEXT
Sexualforschung ·

Bipolare Störung: Depressive Phasen gehen mit weniger sexuellem Verlangen einher

Eine dänische Langzeitstudie mit 236 Erwachsenen zeigt, wie Stimmung und Sexualität bei neu diagnostizierter bipolarer Störung zusammenhängen. Den größten Anteil haben jedoch persönliche Faktoren.

Das Universitätskrankenhaus Rigshospitalet in Kopenhagen (Archivbild)

Archivbild · Foto: Henrik Jessen / Wikimedia Commons, CC BY 2.5 (zugeschnitten und skaliert)

Wie wirken sich Stimmungsschwankungen auf die Sexualität von Menschen mit bipolarer Störung aus? Dieser Frage ist ein Team um Helle B. Krogh von der sexologischen Klinik des Universitätskrankenhauses Kopenhagen nachgegangen, zu dem auch die Professorinnen Annamaria Giraldi und Maj Vinberg gehören. Die Studie erschien im „Journal of Psychiatric Research“; das Fachportal PsyPost berichtete am 30. Oktober darüber. Untersucht wurden 236 Erwachsene im Alter von 18 bis 68 Jahren, die in den zwei Jahren zuvor die Diagnose bekommen hatten. Sie kamen zu Beginn, nach drei und nach sechs Monaten zu Untersuchungen, bei denen Fachleute depressive und manische Symptome einschätzten; zusätzlich bewerteten die Teilnehmenden ihre Stimmung täglich in einer Smartphone-App und füllten Fragebögen zu Sexualität und Lebensqualität aus.

Das Ergebnis: Stärkere depressive Symptome gingen mit geringerem sexuellem Verlangen und größerem Leidensdruck in Bezug auf die Sexualität einher – auch nach Berücksichtigung von Alter und Geschlecht. Stärkere manische Symptome hingen mit mehr Verlangen zusammen, nicht aber mit dem Leidensdruck. Wer von Tag zu Tag stärkere Stimmungsschwankungen hatte, berichtete von mehr sexuellem Leidensdruck. Eine bessere Lebensqualität war mit weniger Leidensdruck verbunden, nicht aber mit dem Verlangen. Bemerkenswert: Mehr als 60 Prozent der Unterschiede in den sexuellen Werten gingen auf persönliche Faktoren zurück und nicht auf die klinischen Stimmungssymptome. Frauen gaben im Schnitt weniger Verlangen an als Männer, ältere Teilnehmende weniger als jüngere.

Die Studie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. Patientinnen und Patienten, die bestimmte Antidepressiva mit sexuellen Nebenwirkungen einnahmen, wurden ausgeschlossen; viele Teilnehmende waren zudem ganz oder teilweise in Remission, und Menschen mit schwereren Symptomen könnten die Studie vorzeitig verlassen haben. Hohe Manie-Werte kamen selten vor, sodass die Ergebnisse für schwere manische Episoden nur begrenzt gelten. Angaben zur Finanzierung nennt der Bericht nicht. Die Arbeit gehört zu Kroghs Doktorarbeit „Bipolar Disorder and Sexuality“ an der Universität Kopenhagen, die Giraldi und Vinberg betreut haben.

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder medizinische Beratung. Angaben mit dem genannten Datenstand.

Mehr aus dem Ressort

← Leben & Alltag