Grindr und KI: Streit um Nutzerdaten fürs Training – App kündigt neue Einstellungen an
Profilfotos, Alter und Anzeigename von Grindr-Nutzern dürfen standardmäßig für KI-Training genutzt werden, wenn sie nicht widersprechen. Kritiker fordern eine ausdrückliche Zustimmung.

Symbolbild · Foto: Santeri Viinamäki / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Die queere Dating-App Grindr steht wegen des Umgangs mit Nutzerdaten für künstliche Intelligenz in der Kritik. Nach Angaben der Hilfeseiten des Unternehmens darf es „begrenzte Daten“ – Profilfotos, Alter, Anzeigenamen und „Taps“ – standardmäßig zum Training seiner KI-Funktionen verwenden, solange Nutzer nicht widersprechen. Für sogenannte besondere Daten wie Chatinhalte, genauen Standort, Geschlecht oder sexuelle Vorlieben und Orientierung braucht Grindr dagegen eine ausdrückliche Einwilligung. Das berichteten das US-Magazin Metro Weekly am 24. Oktober und das Portal Gayety am 27. Oktober, nachdem der Journalist Ronan Farrow die Voreinstellungen in einem Video kritisiert hatte.
Grindr nutzt die KI nach eigenen Angaben, um das Erlebnis zu personalisieren, Chats zusammenzufassen, Profile vorzuschlagen und die Sicherheit der Plattform zu unterstützen. Ein Sprecher sagte dem Magazin Queerty, Privatsphäre und Diskretion seien für Grindr grundlegend; Nutzer könnten der Verwendung ihrer Daten für KI jederzeit widersprechen. Laut Gayety kündigte Grindr am 27. Oktober an, noch in derselben Woche überarbeitete Einstellungen für sensible Daten einzuführen, mit getrennten Zustimmungen für KI-Funktionen und für die Weiterentwicklung der Technik. HIV-Status, Testinformationen und Impfstatus sind nach Unternehmensangaben vom KI-Training ausgenommen.
Ein Widerspruch wirkt allerdings nur für die Zukunft; dass bereits erfolgtes Training rückgängig gemacht wird, sagt Grindr nicht zu. Kritiker wie Farrow verweisen darauf, dass die meisten Menschen Voreinstellungen nicht ändern, und warnen vor Risiken bei Datenlecks – gerade für Nutzer in Ländern, in denen Homosexualität strafbar ist. Die US-Organisation für digitale Bürgerrechte Electronic Frontier Foundation fordert eine vorherige Zustimmung. Grindr hatte im September in Großbritannien einem Vergleich über 26 Millionen Pfund mit rund 12.000 Nutzern zugestimmt, denen zufolge vor 2020 sensible Daten an Werbefirmen weitergegeben worden waren; das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe und hat keine Haftung anerkannt.
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