Sturm Boris: Klimawandel verstärkte die Flutspitzen deutlich mehr als den Regen
Ohne menschengemachte Erwärmung wäre der Regen beim Hochwasser 2024 um 6–9 % schwächer gewesen, die Flutspitzen aber um 14–22 % niedriger. Das zeigen Modellrechnungen einer UFZ-Studie.

Archivbild · Foto: Contains modified Copernicus Sentinel data 2024 processed by Sentinel Hub / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Der Klimawandel hat die Hochwasser durch Sturm Boris im September 2024 deutlich stärker verschärft als die Regenmengen selbst. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team um Peter Miersch vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig in einer am Mittwoch in „Science Advances“ veröffentlichten Studie. Boris hatte vor allem in Polen, Tschechien und Österreich schwere Überschwemmungen ausgelöst; vielerorts fielen innerhalb weniger Tage mehrere Hundert Millimeter Regen.
Die Forscher simulierten das Ereignis in der heutigen Landschaft einmal mit und einmal ohne menschengemachte Erwärmung. Ohne Klimawandel wären die Niederschläge je nach Klimamodell um etwa 6 bis 9 Prozent geringer ausgefallen, die Flutspitzen in den Flüssen dagegen im Mittel um etwa 14 bis 22 Prozent. Dafür kombinierten sie zwei Klimamodelle mit zwei hydrologischen Modellen, darunter eines auf Basis maschinellen Lernens. Alle Kombinationen zeigten denselben Effekt. Die Spannen beschreiben die Unterschiede zwischen den Modellen, formale Konfidenzintervalle nennt die Mitteilung nicht.
Den Grund erklärt Miersch mit gesättigten Böden: Anfangs nehme der Boden einen Teil des Regens auf, doch irgendwann fließe „jeder zusätzliche Millimeter Regen direkt in den Fluss“. Ko-Autor Jakob Zscheischler (UFZ und TU Dresden) warnt, dass zehn Prozent mehr Starkregen nicht nur zehn Prozent mehr Hochwasser bedeuteten. Gefahrenabschätzungen, die nur auf Niederschlag schauen, könnten den Anstieg daher unterschätzen. Ob der Klimawandel Wetterlagen wie Boris häufiger macht, hat die Studie ausdrücklich nicht untersucht.
