Umwelt-DNA: 126 Fischarten vor Japan weiter nördlich nachgewiesen als bisher bekannt
Forscher des OIST haben über sieben Jahre Wasserproben an Japans Küsten untersucht. Viele Arten tauchen nördlicher auf als dokumentiert – die Forscher sehen darin ein Zeichen wärmerer Meere.

Symbolbild · Foto: Rick Stuart-Smith / Reef Life Survey / Wikimedia Commons, CC BY 3.0 (zugeschnitten und skaliert)
Vor Japans Küsten lassen sich zahlreiche Fischarten weiter nördlich nachweisen als bisher bekannt. Das berichtet ein Team des Okinawa Institute of Science and Technology (OIST) in der Fachzeitschrift „Diversity and Distributions“. Die Forscher werteten 2.672 Meerwasserproben von 316 Küstenorten aus den Jahren 2017 bis 2024 aus, darunter fast 1.000 neue. Mithilfe von Umwelt-DNA – Erbgutspuren, die Tiere im Wasser hinterlassen – fanden sie 126 Arten jenseits ihrer bisher dokumentierten nördlichen Grenze.
Darunter sind die Japanische Stachelmakrele, ein Zackenbarsch und der Schwarze Kaninchenfisch, der im Verdacht steht, zum Verschwinden von Seetangwäldern beizutragen. Die Forscher bringen die Verschiebungen mit steigenden Meerestemperaturen in Verbindung, die Arten in kühlere Gewässer drängen können, und sehen darin ein Risiko für Fischerei und Küstenwirtschaft. „Fischer in ganz Japan stellen bereits fest, dass sie andere Fische fangen als noch vor einigen Jahrzehnten“, sagte Seniorautor Timothy Ravasi.
Die Studie ist eine Bestandsaufnahme auf Basis von Messungen, keine Ursachenanalyse. Ein DNA-Fund belegt nicht, dass an dem Ort tatsächlich eine Population lebt; die Arten könnten dort vorkommen, heißt es in der Mitteilung. Zudem hängt die Genauigkeit von noch wachsenden Referenzdatenbanken ab, und Proben können verunreinigt sein. Die Autoren sehen die Methode daher als Ergänzung zu klassischen Erhebungen. Als Nächstes wollen sie modellieren, warum die DNA an bestimmten Orten auftaucht.
