Chatbot-Pionier Character.AI beantragt Gläubigerschutz – Disney bietet 20 Mio. Dollar
Das einst mit 2,5 Milliarden Dollar bewertete Start-up hat Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Disney will Teile des Geschäfts übernehmen, andere Bieter können noch überbieten.

Grafik: TERRA WORLD NEWS (eigene Darstellung nach den genannten Quellen)
Character Technologies, das Unternehmen hinter der Chatbot-Plattform Character.AI, hat am Montag Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts beantragt, wie Benzinga unter Berufung auf Gerichtsunterlagen berichtet. Vermögen und Verbindlichkeiten werden jeweils auf 50 bis 100 Millionen Dollar geschätzt. Der Walt Disney Konzern hat zugestimmt, ausgewählte Vermögenswerte einschließlich geistigen Eigentums für 20 Millionen Dollar zu kaufen – vorbehaltlich der Zustimmung des Gerichts.
Disney tritt als sogenannter Stalking-Horse-Bieter auf: Sein Angebot legt den Mindestpreis fest, andere Interessenten können in einer Auktion mehr bieten. Der Verkauf könnte Ende November oder Anfang Dezember abgeschlossen werden. Die Plattform soll nach Firmenangaben bis dahin möglichst ohne Unterbrechung weiterlaufen; findet sich kein Käufer, der sie betreiben will, würde das Geschäft abgewickelt. Laut Unternehmenschef Colin Adams bietet ein gerichtlich überwachter Verkauf die beste Chance, den Wert für alle Beteiligten zu sichern.
Character.AI war einer der bekanntesten KI-Aufsteiger der ChatGPT-Ära. 2024 lizenzierte Google die Technologie des Start-ups und holte die Gründer sowie Teile des Teams zurück; der Deal wird auf 2,7 Milliarden Dollar beziffert. Seither konzentrierte sich Character.AI auf seine Chatbot-App, geriet aber durch mehrere Klagen unter Druck, untersagte Minderjährigen offene Chats und verlor nach Medienberichten Nutzer – von rund 28 auf etwa 20 Millionen monatlich –, während OpenAI, Meta und Replika ähnliche Angebote ausbauten.
