Berlin --:--Dienstag, 13. Oktober 2026
LIVE
KlimaNACHRICHTENFAKTENKONTEXT
Klima ·

Gerettete Wetterarchive: Heiße Tage im Kongobecken haben sich fast verdoppelt

Forschende um die Vrije Universiteit Brussel haben Tausende handschriftliche Wetterbögen digitalisiert. Die Messdaten zeigen eine deutliche Erwärmung im Kongobecken zwischen 1961 und 1990.

Symbolbild: Vegetation und Wald im Biosphärenreservat Yangambi im Kongobecken

Symbolbild · Foto: PatrickFound / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)

Ein Team unter Leitung der Vrije Universiteit Brussel (VUB) hat am 12. Oktober in der Fachzeitschrift Earth System Dynamics eine neue Messreihe für das Kongobecken vorgelegt. Grundlage sind mehr als 9.000 handgeschriebene Monatsbögen von 37 Wetterstationen in der Demokratischen Republik Kongo. Sie wurden bei zwei Feldkampagnen 2023 in den Archiven des Agrarforschungsinstituts INERA in Yangambi und im belgischen Staatsarchiv fotografiert. Die von Erstautor Derrick Muheki entwickelte Software MeteoSaver übertrug sie automatisch in digitale Tabellen – so entstand eine Datenbank mit mehr als einer Million Tagesbeobachtungen von 1908 bis 2023, die meisten aus den 1960er- bis 1990er-Jahren.

Die Auswertung der Messdaten zeigt: Im Median von 21 auswertbaren Stationen stiegen zwischen 1961 und 1990 die Tageshöchsttemperaturen um etwa 0,7 Grad, die Tiefstwerte um etwa 0,3 Grad und das Mittel um rund 0,5 Grad. Die Zahl heißer Tage (Höchstwert über 33,3 Grad) stieg im Mittel von etwa drei auf etwa fünf pro Jahr – nahezu eine Verdopplung von den 1960er- zu den 1980er-Jahren. An zwei von drei untersuchten Stationen traten Starkregenereignisse in den 1980er-Jahren etwa doppelt so häufig auf wie in den 1960er-Jahren; für Aussagen über das ganze Land reichen drei Stationen laut den Autoren nicht. Stationen mit längeren Reihen zeigen, dass die Erwärmung bis in die 2000er-Jahre anhält. Dass die meisten Reihen um 1990 abbrechen, führen die Forschenden auf die Kongokriege zurück.

Einordnung: Zentralafrika gehört laut Seniorautor Wim Thiery (VUB) zu den wenigen Regionen, in denen der letzte Bericht des Weltklimarats IPCC eine Zunahme heißer Extreme mangels Beobachtungsdaten nicht bestätigen konnte. Die neue, öffentlich zugängliche Datenreihe soll helfen, diese Lücke zu schließen und Klimamodelle für die Region zu überprüfen. Die Studie dokumentiert gemessene Veränderungen; eine formale Zuordnung zu Ursachen enthält sie nicht – die VUB verbindet die Zunahme der Extreme in ihrer Mitteilung mit der Erwärmung durch fossile Emissionen. Teile des INERA-Archivs waren kurz vor den Aufnahmen durch ein Feuer beschädigt worden.

Mehr aus dem Ressort

← Klima