Falsche Polizisten am Telefon: Berliner Ermittler legen Anrufplattform für Betrüger still
Razzien in Berlin, Hessen und NRW: Ein Dienst soll Betrügern Anrufe mit gefälschten Nummern ermöglicht haben – mindestens 600.000 Anwahlversuche, mehr als 18.000 Fälle. Zwei Festnahmen in Serbien.

Symbolbild · Foto: Auge24.eu / Wikimedia Commons, CC BY 3.0 (zugeschnitten und skaliert)
Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Berlin sind am Dienstag gegen einen mutmaßlichen Anbieter von Internettelefonie vorgegangen, über den Betrüger mit gefälschten Rufnummern angerufen haben sollen – vor allem als falsche Bankmitarbeiter oder falsche Polizeibeamte. Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um den größten Dienst dieser Art im deutschsprachigen Raum. Domains, Server, Telegram-Konten und weitere technische Infrastruktur wurden beschlagnahmt und abgeschaltet.
Im Berliner Verfahren richten sich die Ermittlungen gegen fünf Beschuldigte im Alter von 23 bis 41 Jahren, denen Beihilfe zum Computerbetrug in mehr als 18.000 Fällen vorgeworfen wird. Am Dienstag wurden die Wohnungen eines 23-Jährigen und eines 41-Jährigen in Charlottenburg-Wilmersdorf und in Hessen durchsucht. Bereits am 7. Oktober hatten serbische Behörden gemeinsam mit Berliner Ermittlern die Wohnungen von drei Beschuldigten in Serbien durchsucht; zwei Männer im Alter von 26 und 27 Jahren wurden aufgrund bestehender Haftbefehle festgenommen und sollen nach Deutschland überstellt werden.
Über die Infrastruktur sollen mindestens 600.000 Anwahlversuche gelaufen sein, die Beschuldigten sollen damit mehr als 1,6 Millionen Euro eingenommen haben. In 70 Fällen ist bislang ein Schaden von rund 764.000 Euro belegt. Parallel ließ die Staatsanwaltschaft Köln in Nordrhein-Westfalen die Wohnungen von 14 weiteren Verdächtigen durchsuchen. Die Ermittlungen laufen seit Februar 2025; für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
