Sudan: Menschenrechtsgruppe meldet über 100 Tote bei Drohnenangriff auf Markt in Nyala
Die Organisation Emergency Lawyers macht die Armee verantwortlich und fordert eine unabhängige Untersuchung. Ärzte ohne Grenzen behandelte rund 150 Verletzte.

Archivbild · Foto: Leovdvxxx / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Bei einem Drohnenangriff auf einen belebten Markt in Nyala, der Hauptstadt der sudanesischen Provinz Süd-Darfur, sind nach Angaben einer Menschenrechtsgruppe mehr als 100 Menschen getötet worden. Die Organisation Emergency Lawyers sprach von zudem 113 Verletzten, darunter viele Frauen und Kinder. Sie machte die sudanesische Armee verantwortlich, die seit 2023 gegen die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) kämpft. Nyala wird von der RSF kontrolliert.
Der Angriff ereignete sich am Montagabend. Die Nachrichtenagentur AFP hatte am Dienstag unter Berufung auf einen Mediziner zunächst von mindestens 21 Toten und 40 Verletzten berichtet. Ärzte ohne Grenzen erklärte, in ihr Krankenhaus in Nyala seien 36 Leichen gebracht worden; in der Notaufnahme habe man rund 150 Verletzte gesehen. Emergency Lawyers erklärte, das „Massaker“ habe einen zivilen Marktplatz in einen Schauplatz von Massentötungen verwandelt, und forderte eine unabhängige Untersuchung.
Nach UN-Angaben sind Drohnenangriffe beider Seiten inzwischen die tödlichste Gefahr für Zivilisten in diesem Krieg. Laut dem Beobachtungsprojekt ACLED wurden seit 2023 mindestens 59.000 Menschen getötet; rund 34 Millionen sind laut UN auf Hilfe angewiesen. Zugleich ließ ein Drohnenangriff auf das Umspannwerk Al-Markhiyat in Omdurman, den ein Vertreter der RSF zuschrieb, große Teile Khartums mehr als zwölf Stunden ohne Strom.
