Flávio Bolsonaro landet in Miami und erklärt sich zum „rechtmäßigen“ Anführer Brasiliens
Trotz gerichtlicher Passauflage hat der unterlegene Präsidentschaftskandidat Brasilien über Argentinien verlassen. In Florida spricht er von Wahlbetrug – Belege legt er nicht vor. Lula nennt sein Verhalten „beschämend“.

Archivbild · Foto: Agência Senado from Brasilia, Brazil / Wikimedia Commons, CC BY 2.0 (zugeschnitten und skaliert)
Drei Tage nach seiner Niederlage in der Stichwahl ist der brasilianische Senator Flávio Bolsonaro in den USA gelandet. Laut Al Jazeera kam er mit Frau und Töchtern am Mittwoch gegen 9.30 Uhr Ortszeit am Flughafen Opa-locka bei Miami an. Die Familie hatte Brasilien demnach am späten Dienstagabend zu Fuß über eine Brücke nach Argentinien verlassen und war per Privatjet über Guayaquil in Ecuador nach Florida geflogen. Das Oberste Gericht Brasiliens hatte ihm zuvor die Abgabe seiner Pässe auferlegt – im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen mutmaßlicher Geldwäsche, die Bolsonaro bestreitet. Das US-Außenministerium hatte der Familie Visa zugesagt.
Kurz nach der Landung veröffentlichte Bolsonaro auf X einen offenen Brief. Laut dpa nannte er sich darin zunächst den „wahren gewählten Präsidenten“ und sprach von „abscheulichem Wahlbetrug“. Nach Angaben von Reuters löschte er den Text und bezeichnete sich in einer neuen Fassung als rechtmäßigen „Anführer“. Er habe Brasilien verlassen, aber das brasilianische Volk nicht im Stich gelassen, schrieb er. Er dankte Argentiniens Präsident Javier Milei und US-Präsident Donald Trump. Belege für Betrug legte er nicht vor. Lula gewann die Stichwahl am 25. Oktober laut Wahlbehörde mit 51,8 zu 48,2 Prozent, also mit rund 4,5 Millionen Stimmen Vorsprung.
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nannte es laut Reuters „beschämend“, dass Bolsonaro nicht im Land geblieben sei, um seine Unschuld zu beweisen. Der Präsident des Wahlgerichts, Kassio Nunes Marques, erklärte, die Wahl habe alle rechtlichen und verfassungsmäßigen Anforderungen erfüllt. Auch Bolsonaros eigene Partei hat Lulas Sieg anerkannt. Trump wollte sich zu der Erklärung nicht äußern und sprach erneut von einer „sehr seltsamen Wahl“. Sein Vater, Ex-Präsident Jair Bolsonaro, verbüßt eine 27-jährige Haftstrafe wegen eines Putschplans.
