Scheidung mit Spätfolgen: Geschiedenen fehlt im Alter oft der Rückhalt
Eine Trennung kann noch Jahrzehnte später nachwirken: Forschende der Universität Granada haben ältere Geschiedene befragt, die allein leben. Vielen fehlt im Alter Unterstützung.

Archivbild · Foto: Benjamin Smith / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Wie wirkt eine lange zurückliegende Trennung oder Scheidung im Alter nach? Dieser Frage sind der Soziologe Juan López Doblas und die Sozialpsychologin María del Pilar Díaz Conde von der Universität Granada nachgegangen. Sie befragten ältere Menschen, die vor vielen Jahren getrennt oder geschieden wurden und heute allein leben. Laut der Hochschule ist es die erste Studie dieser Art in Spanien; sie erschien in der Fachzeitschrift Revista Internacional de Sociología die Hochschule stellte sie am 20. Oktober vor. Grundlage sind ausführliche Einzelinterviews, ausgewertet mit Blick auf Lebenslauf und Geschlecht.
Ein erheblicher Teil der Befragten bekommt nach den Ergebnissen zu wenig Unterstützung aus der Familie und hat ungedeckten Bedarf an praktischer Hilfe im Alltag. Bei Männern hat sich die Beziehung zu den Kindern nach der Trennung oft abgekühlt oder ist abgerissen – bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit fehlt dann Hilfe. Die Forschenden vermuten, dass viele Männer ihre Rolle als Ehemann und als Vater nicht auseinanderhalten konnten. Frauen hielten meist den Kontakt zur Familie, tragen aber häufiger finanzielle Folgen: Viele zogen die Kinder allein groß und hatten unsichere Erwerbsbiografien, was den Zugang zu professioneller Pflege erschwert.
Viele Befragte, vor allem Männer, zeigten Anzeichen von Niedergeschlagenheit und fühlten sich einsam, verbargen das aber oft. Manche hätten niemanden, dem sie ein Problem anvertrauen oder mit dem sie einfach reden könnten, schreiben die Autoren. Sie fordern mehr gesellschaftliche und institutionelle Aufmerksamkeit für diese Gruppe. Einschränkung: Es handelt sich um eine qualitative Interviewstudie; wie viele Menschen befragt wurden, nennen die Mitteilungen nicht, und wie häufig solche Verläufe insgesamt sind, lässt sich daraus nicht ablesen.
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