Stabilitätsrat erwartet Schuldenquote von gut 78 Prozent bis 2030
Deutschland wird die EU-Defizitgrenze laut dem Gremium von Bund und Ländern mehrere Jahre reißen. Finanzminister Klingbeil verteidigt die Kredite für Infrastruktur und Bundeswehr.

Symbolbild · Foto: Perituss / Wikimedia Commons, CC0 (zugeschnitten und skaliert)
Die Staatsverschuldung in Deutschland dürfte bis 2030 deutlich steigen. Der Stabilitätsrat, ein gemeinsames Gremium von Bund und Ländern, rechnet laut Reuters mit einer Schuldenquote von 78,25 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2030, nach 62,8 Prozent im Jahr 2025. Die EU-Obergrenze liegt bei 60 Prozent. Die am Montag vorgelegten Zahlen fallen deutlich schlechter aus als vor einem Jahr.
Das gesamtstaatliche Defizit lag 2025 bei 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im kommenden Jahr soll es auf 5,25 Prozent steigen und 2030 noch 4,5 Prozent betragen – erlaubt sind 3 Prozent. Einen mehrjährigen Regelbruch hält der Stabilitätsrat für besorgniserregend. Der größte Teil der neuen Kredite fließt in die Sanierung der Infrastruktur und die Aufrüstung der Bundeswehr.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte, die hohe Kreditaufnahme sei nötig, um den Investitionsstau aufzulösen; Nichtstun würde langfristig viel teurer. Die Regierung wolle Reformen etwa bei Rente und Pflege vorantreiben und im Haushalt sparen. „Gleichzeitig achten wir weiter sehr genau auf die Tragfähigkeit unserer Finanzen“, sagte er.
