Studie: Grönlands Eis wich bei rund 4,7 Grad wärmeren Sommern weit zurück
Sediment unter Grönlands Eisschild zeigt: Vor rund 416.000 Jahren war Camp Century eisfrei, als die Sommer dort etwa 4,7 Grad wärmer waren als heute. Die Studie erschien in Climate of the Past.

Archivbild · Foto: U.S. Army Corps of Engineers, CRREL / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Vor etwa 416.000 Jahren war der Nordwesten Grönlands am Standort der früheren US-Station Camp Century eisfrei – bei Sommertemperaturen, die rund 4,7 Grad Celsius über den heutigen lagen. Das berichtet ein Team um John Michael Aguilar und Elizabeth Thomas von der University at Buffalo in der Fachzeitschrift Climate of the Past (online seit 28. September, Pressemitteilung vom 20. Oktober). Damit der Ort eisfrei werden konnte, muss sich der Eisschild dort um mehr als 60 Meilen, also knapp 100 Kilometer, von seinem heutigen Rand zurückgezogen haben.
Grundlage ist eine Rekonstruktion aus Laboranalysen, keine Modellrechnung: Untersucht wurde Sediment, das in den 1960er-Jahren im Rahmen des Militärprojekts Iceworm aus fast einer Meile Tiefe unter dem Eis geborgen wurde. Die Forschenden bestimmten fettartige Moleküle von Bakterien, deren Zusammensetzung sich mit der Temperatur ändert, und verglichen sie mit Proben aus heutigen arktischen Seen. Eine Unsicherheitsspanne für den Wert von 4,7 Grad nennt die Mitteilung nicht. Gefördert wurde die Arbeit von der US-amerikanischen National Science Foundation.
Relevant ist der Befund, weil sich die Arktis rasch erwärmt: Der Weltklimarat IPCC projiziert für die Arktis bis Ende des Jahrhunderts je nach Emissionen einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur um 3,3 bis 10 Grad – das ist eine Modellprojektion, kein Ergebnis der Studie. Die heutige menschengemachte Erwärmung sei intensiver als die Warmzeit vor 400.000 Jahren, sagte Mitautorin Thomas. Wie schnell der Eisschild heute reagieren würde, beziffert die Mitteilung nicht.
