EZB-Ökonomen: Erneuerbare und Atomstrom federn den Energieschock in der Eurozone ab
Die Eurozone hängt nur noch halb so stark am Öl wie Anfang der 1990er-Jahre. Zusammen mit Staatsausgaben und dem KI-Boom habe das die Wirtschaft trotz Iran-Krieg stabil gehalten, schreiben EZB-Experten laut Reuters.

Archivbild · Foto: Norbert Nagel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Die Eurozone hat den Energiepreisschock in diesem Jahr besser verkraftet als erwartet. Das schreiben die EZB-Ökonomen Oscar Arce, Gerrit Koester und Beatrice Pierluigi in einem am Mittwoch veröffentlichten Blogbeitrag der Europäischen Zentralbank, über den Reuters berichtete. Nach ihrer Schätzung ist laut Reuters die Wirtschaft des Währungsraums heute nur noch etwa halb so abhängig vom Öl wie Anfang der 1990er-Jahre.
Zudem habe die höhere Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und Kernkraft in mehreren Ländern die Kopplung von Gas- und Strompreisen abgeschwächt. Gestützt werde die Konjunktur außerdem durch die Finanzpolitik: Der Impuls liege bei 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung und damit doppelt so hoch wie Ende vergangenen Jahres erwartet, vor allem wegen deutscher Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Den Handel mit KI-Gütern bezeichnen die Autoren als wichtigen Rückenwind.
Die Ökonomen warnen jedoch, dass ein großer Teil dieser Stützen vorübergehend sein könnte. Ließen Nachfrage, Konjunkturhilfen und KI-Investitionen nach, wäre die Eurozone bei neuen geopolitischen Spannungen oder Störungen der Energiemärkte verwundbar. Die Öl- und Gaspreise waren nach Beginn des Iran-Kriegs stark gestiegen. Laut Reuters wird im Dezember eine weitere Zinserhöhung der EZB erwartet, die dritte in diesem Jahr.
