Süßstoffe im Labortest: Drei Viertel beeinflussen das Wachstum von Darmbakterien
Cambridge-Forscher testeten 39 kalorienarme Süßungsmittel an 25 Arten von Darmbakterien. Kombinationen mit Medikamenten veränderten die Effekte – ob das im Körper so geschieht, ist offen.

Symbolbild · Foto: Centhum / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (zugeschnitten und skaliert)
Kalorienarme Süßungsmittel sind für Darmbakterien womöglich nicht so neutral wie oft angenommen – zumindest im Labor. Forschende der MRC Toxicology Unit der University of Cambridge testeten 39 handelsübliche künstliche und natürlich gewonnene Süßstoffe an 25 Bakterienarten des menschlichen Darms, die jeweils einzeln gezüchtet wurden. Rund drei Viertel der Süßstoffe veränderten das Wachstum mindestens einer Art: Manche bremsten es, andere stoppten es ganz. Die Effekte unterschieden sich je nach Süßstoff und Bakterium. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Molecular Systems Biology; ScienceDaily berichtete am 17. Oktober 2026 darüber.
Zusätzlich kombinierte das Team die Süßstoffe mit Koffein, Vanillin, dem Süßstoff Advantam und acht verbreiteten Medikamenten. In mehr als 100 Fällen veränderte sich dadurch die Wirkung: 34-mal wurde sie stärker, 68-mal schwächer. Auffällig war die Kombination des Steviolderivats Isosteviol mit dem Antidepressivum Duloxetin. Sie hemmte zwei Arten stark, die mit Darmgesundheit und Blutzuckerregulation in Verbindung gebracht werden, und verringerte in einer künstlichen Gemeinschaft aus allen 25 Arten die Vielfalt. „Süßstoffe werden oft als stoffwechselneutral vermarktet, aber unsere Studie stellt diese Vorstellung infrage“, sagte Erstautorin Sonja Blasche.
Die Autoren betonen die Grenzen: Alle Versuche liefen unter kontrollierten Laborbedingungen mit isolierten Kulturen, der menschliche Darm ist weit komplexer. Ob die Veränderungen bei normaler Ernährung auftreten oder messbare gesundheitliche Folgen haben, ist unklar. Die Studie zeigt weder, dass Menschen, die Duloxetin nehmen, solche Effekte erleben, noch dass Süßstoffe schädlich sind. Studienleiter Kiran Patil zufolge stammt das meiste Wissen über Süßstoffe bisher aus Tierversuchen oder Bevölkerungsstudien. Finanziert wurde die Arbeit vom EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 und vom britischen Medical Research Council.
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