Fall Pike: Notrufe zeigen Chaos am Gefängnistor – zweiter Versuch weiter offen
Veröffentlichte Notrufe zeigen, dass Rettungskräfte nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike über eine halbe Stunde warten mussten. Ob Tennessee es erneut versucht, ist offen.

Symbolbild · Foto: Kaldari / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Knapp zwei Wochen nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike sind Notrufaufnahmen vom 30. September veröffentlicht worden. Demnach meldete ein Anrufer um 20.40 Uhr, man habe eine Hinrichtung vollzogen und brauche einen Krankenwagen; Pike sei bewusstlos. Ein Mitarbeiter der Strafvollzugsbehörde erklärte später, aus der Einrichtung habe niemand angerufen, ein weiterer Anrufer nannte den Notruf falsch. Die Rettungskräfte standen ohne Zugangscode am Tor; bis sie eingelassen wurden, verging mehr als eine halbe Stunde.
Ob Tennessee einen zweiten Versuch unternimmt, ist laut einem CNN-Bericht vom Montag offen. Gouverneur Bill Lee, dessen Amtszeit im Januar endet, ließ eine unabhängige Untersuchung unter dem früheren Bundesstaatsanwalt Ed Stanton einleiten; ob sie vor seinem Abschied fertig wird, ist unklar. Lee hat laut Death Penalty Information Center noch nie einen Todeskandidaten begnadigt; dem nächsten Todeskandidaten, Gary Wayne Sutton, gewährte er am 7. Oktober Aufschub bis Oktober 2027. Pikes Anwälte berichten von Konzentrations- und Gedächtnisproblemen und fordern die Umwandlung in lebenslange Haft.
Die republikanische Senatorin Marsha Blackburn fordert dagegen die Vollstreckung, notfalls mit dem elektrischen Stuhl, um „diesen Opfern schnell Gerechtigkeit zu verschaffen“. Die Demokratin Jerri Green würde ein Hinrichtungsmoratorium verhängen. Der Strafrechtsforscher Austin Sarat sagte: „Wenn die Medikamente zu fließen beginnen, hat die Strafe begonnen.“ Pike hatte 1995 ihre 19-jährige Mitschülerin Colleen Slemmer getötet. Deren Mutter May Martinez sagte: „Alles, was ich wollte, war Gerechtigkeit.“
