Italien: 24-Stunden-Streik bei Ex-Ilva – Taranto muss Hochöfen abschalten
Ein Gericht hat die Schließung des Heißbereichs im Stahlwerk Taranto bis 28. Oktober angeordnet. Beschäftigte aller Ex-Ilva-Werke streikten am Montag und blockierten Straßen.

Archivbild · Foto: mafe de baggis from Milano, Italy / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 (zugeschnitten und skaliert)
In Italien haben die Beschäftigten des früheren Stahlkonzerns Ilva am Montag (12. Oktober) an allen Standorten 24 Stunden lang gestreikt. In Taranto in Apulien, wo das als größtes Stahlwerk Europas geltende Werk steht, blockierten Arbeiter nach Angaben des Senders Tgcom24 mit Sitzblockaden und Straßensperren die Werkstore. Auch in Genua und Novi Ligure wurde gestreikt. Die Gewerkschaften fordern von der Regierung einen klaren Industrieplan, der auch Maßnahmen gegen die Umweltverschmutzung umfasst.
Auslöser ist ein Urteil des Mailänder Berufungsgerichts: Es hat die Schließung des sogenannten Heißbereichs mit den Hochöfen bis zum 28. Oktober angeordnet und dabei dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung Vorrang vor der Produktion gegeben. Der unter staatlicher Sonderverwaltung stehende Betreiber Acciaierie d'Italia stoppte die Produktion dort am 9. Oktober und beantragte Kurzarbeit. Ohne Stahl aus Taranto können laut Il Post auch die Werke in Genua und Novi Ligure nicht weiterarbeiten; sie sollen spätestens am 15. November stillstehen.
Am 20. Oktober will das Kassationsgericht über das Urteil verhandeln. Betroffen sind nach einem Bericht des bulgarischen Wirtschaftsportals Banker.bg rund 11.000 Beschäftigte. Die Bürgermeister von Genua und Novi Ligure, Silvia Salis und Rocchino Muliere, nannten den angekündigten Stillstand inakzeptabel. Die Regierung wollte nach Berichten vom 9. Oktober am Dienstag ein Notdekret mit sozialer Absicherung für die Beschäftigten im Ministerrat vorlegen.
