Orgasmus-Lücke: Neue Studien sehen Kommunikation und Beziehung als Schlüssel
Forschende aus Basel und Turin bestätigen: Frauen erleben beim Sex mit dem Partner seltener einen Orgasmus als Männer. Biologische Gründe spielen laut der Basler Studie kaum eine Rolle.

Archivbild · Foto: --Wladyslaw Disk. / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (zugeschnitten und skaliert)
Die sogenannte Orgasmus-Lücke – Frauen erleben beim Sex mit einem Partner seltener einen Höhepunkt als Männer – ist Thema zweier neuer Fachartikel. Ein Team der Universität Basel um Lenya Koechlin hat in der Zeitschrift „Sex Roles“ (online seit 16. September) Daten einer anonymen Online-Umfrage von Juli 2021 bis April 2022 ausgewertet. Analysiert wurden 2.272 heterosexuelle Teilnehmende, davon 75,7 Prozent Frauen, überwiegend aus der Schweiz (73,3 Prozent) und der EU. Die Lücke beim Sex mit Partner bezifferten die Forschenden auf 37,9 Prozent, bei der Selbstbefriedigung nur auf 3,1 Prozent. Frauen waren zudem um 26,8 Prozent weniger zufrieden mit ihrer Orgasmushäufigkeit als Männer.
Häufiger kamen Frauen im Basler Datensatz zum Höhepunkt, wenn sie älter waren, öfter Sex und mehr Lust hatten, in einer festen Beziehung lebten und offen mit dem Partner kommunizierten. Anatomisches Wissen half nur beim Sex allein. Biologische Unterschiede spielen nach Schluss der Autoren keine relevante Rolle. In dieselbe Richtung weist eine Studie aus Italien um Cristina Civilotti (Universität Turin) in „Sexuality & Culture“, über die das Fachportal PsyPost am 5. Oktober berichtete: Unter 579 heterosexuellen Erwachsenen in fester Beziehung berichteten Männer häufiger von Orgasmen; Alter, Bildung, Beruf oder Elternschaft erklärten die Lücke nicht. Bei Frauen hing die Orgasmushäufigkeit mäßig mit sexueller Zufriedenheit und Zärtlichkeit zusammen, bei Männern kaum.
Beide Arbeiten haben Grenzen: Es handelt sich um Querschnittsbefragungen mit Selbstauskünften, die keine Ursachen belegen. Die Basler Stichprobe ist eine Gelegenheitsstichprobe junger, gut gebildeter Menschen (59,4 Prozent mit Hochschulabschluss). Die Turiner Teilnehmenden wurden teils über sexualwissenschaftliche Zentren gewonnen, waren meist mittleren Alters und lange liiert; die Orgasmushäufigkeit wurde mit einer einzigen Frage erhoben, queere Menschen waren ausgeschlossen. Laut PsyPost war zudem der Unterschied zwischen den Geschlechtern beim Zusammenhang mit der Beziehungsqualität statistisch nicht signifikant. Angaben zur Finanzierung lagen in den eingesehenen Quellen nicht vor.
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