Modellstudie: Bei spätem Klimaschutz kann die Arktis abrupt umkippen
Neue Studie von Columbia University und NASA: Werden die Emissionen zu spät gestoppt, bricht die Atlantikströmung AMOC im Modell fast zusammen – die Arktis kühlt abrupt ab.

Symbolbild · Foto: NASA Goddard Space Flight Center from Greenbelt, MD, USA / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Ein Team um You-Ting Wu von der Columbia University in New York, beteiligt sind das Lamont-Doherty Earth Observatory und das Goddard Institute for Space Studies der NASA (GISS), hat am 10. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment aus der Nature-Gruppe untersucht, wie die Arktis reagiert, wenn der CO2-Ausstoß gestoppt wird. Die Arktis erwärmt sich mehr als dreimal so schnell wie der globale Durchschnitt. Mit einem Erdsystemmodell simulierten die Forscher Szenarien, in denen die Emissionen schlagartig auf null fallen, nachdem die Menschheit insgesamt zwischen 800 und 2000 Milliarden Tonnen Kohlenstoff ausgestoßen hat. Es handelt sich um Modellexperimente, nicht um Messdaten oder eine Vorhersage für ein bestimmtes Jahr.
Die globale Mitteltemperatur stabilisiert sich in den Simulationen nach dem Emissionsstopp. In der Arktis gabelt sich das Ergebnis jedoch: Endet der Ausstoß unterhalb von rund 1700 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, erwärmt sich die Region weiter und verliert Meereis. Oberhalb dieser Schwelle folgen eine abrupte Abkühlung und eine Ausdehnung des Eises. Ursache ist laut den Autoren ein nahezu vollständiger Zusammenbruch der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC), die Wärme nach Norden transportiert; das verstärkt zusätzlich Rückkopplungen über die Rückstrahlung des Eises und das vertikale Temperaturprofil. Der Kollaps tritt in den Simulationen auf, wenn der Klimaschutz so lange verzögert wird, dass die globale Erwärmung das Pariser 2-Grad-Ziel überschreitet.
Die Forscher deuten den Übergang als „stochastisches“ Kippen: Zufällige Schwankungen entscheiden, ob das System die Schwelle überschreitet, die steigenden Treibhausgase machen das wahrscheinlicher. Die Ergebnisse stammen aus einem einzigen Modell mit je sechs Simulationen pro Szenario; eine Unsicherheitsspanne für die Schwelle von 1700 Milliarden Tonnen nennt die Zusammenfassung nicht, und die veröffentlichte Fassung ist eine Vorabversion, die noch redigiert werden kann. Die Autoren folgern, dass verzögerter Klimaschutz in ihrem Modell einen abrupten Übergang der Arktis in einen anderen Klimazustand auslösen kann.
