PIK: Verlust der Pflanzenvielfalt könnte CO2-Aufnahme von Grasland um 15 % senken
Modellstudie in PNAS: Verlieren Weiden und Wiesen weitgehend ihre Vielfalt, nähmen sie bis 2050 rund 15 % weniger CO2 auf – in manchen Tropenregionen bis zu 50 % weniger.

Symbolbild · Foto: Keith Salvesen / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 (zugeschnitten und skaliert)
Weiden und Wiesen weltweit könnten deutlich weniger CO2 aufnehmen, wenn ihre Pflanzenvielfalt verloren geht. Das zeigt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universität Kiel, die am 7. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift PNAS erschienen ist. Erstautor ist Stephen Wirth (PIK). Das Team nutzte das globale Vegetationsmodell LPJmL-CSR, das drei grundlegende Pflanzenstrategien abbildet: konkurrenzstarke, stresstolerante und sich schnell ausbreitende Arten. Verglichen wurden zwei Szenarien – erhaltene Vielfalt und extremer Vielfaltsverlust – bei einer Erwärmung unter 2 °C und bei rund 4 °C.
Bei stark verringerter Vielfalt würde Grasland im Jahr 2050 durch Photosynthese rund 15 % weniger CO2 aufnehmen. Bei einer Erwärmung unter 2 °C entspricht das etwa 11 Milliarden Tonnen CO2 weniger pro Jahr. Am stärksten betroffen sind tropische und subtropische Grasländer, vor allem in Südamerika und Südasien: In Teilen Paraguays und Indiens liegt die Photosynthese bis zu 50 % niedriger. Auch die Kohlenstoffvorräte im Boden sinken. In Teilen Afrikas und Spaniens steigt die Produktivität dagegen leicht, weil verbleibende Pflanzen ausgleichen. Global überwiege jedoch in beiden Klimaszenarien der Nutzen erhaltener Vielfalt, sagt Seniorautorin Susanne Rolinski (PIK).
Es handelt sich um eine Modellprojektion, nicht um Messdaten. Das Modell reduziert Hunderte Arten auf drei Strategien und testet einen extremen Zusammenbruch der Vielfalt; reale Verluste dürften zwischen beiden Szenarien liegen, die genauen Werte sind unsicher. Die 11 Milliarden Tonnen beziehen sich auf die Aufnahme durch Photosynthese, nicht auf die Netto-Kohlenstoffbilanz. Die Autoren empfehlen eine Bewirtschaftung, die Vielfalt erhält und Überweidung verhindert, sowie eine Agrarpolitik, die Landwirten bei der Anpassung hilft, besonders im Globalen Süden.
