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Kontrolle als Fürsorge getarnt: Studie warnt vor Mustern in Studentenbeziehungen

Sofort antworten, Live-Standort teilen, Likes des Partners prüfen: Eine Befragung an zwölf irischen Hochschulen zeigt, wie kontrollierendes Verhalten in jungen Beziehungen als normal gilt.

Campus Grangegorman der Technological University Dublin (Archivbild)

Archivbild · Foto: William Murphy / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 (zugeschnitten und skaliert)

Was macht eine gesunde Beziehung aus? Darüber sind sich Studierende in Irland weitgehend einig – im Alltag fehlt es aber oft daran. Das ist das Ergebnis der Studie „Feel Seen“, die die Technological University Dublin (TU Dublin) gemeinsam mit weiteren Hochschulen vorgelegt hat; das Lokalmedium Dublin People berichtete am 13. Oktober. Das Institut CORE Research befragte von Februar bis März 2026 anonym 330 Studierende an zwölf Hochschulen, im April diskutierten 25 von ihnen in einer Online-Forschungsgruppe. Finanziert wurde die Arbeit aus einem Fonds der irischen Hochschulbehörde HEA gegen sexualisierte Gewalt und Belästigung sowie von Cuan, der staatlichen Agentur gegen häusliche, sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt.

95 Prozent der Befragten nannten es wesentlich oder sehr wichtig, sich in einer Beziehung emotional sicher zu fühlen; 96 Prozent hielten es für ebenso wichtig, ohne Schuldgefühle, Druck oder Angst Nein sagen zu können. Gerade das fehle aber oft: 55 Prozent gaben an, dass gerade das Nein-Sagen ohne Druck oder Schuldgefühle in der Praxis am häufigsten fehle oder am schwersten zu finden sei, 42 Prozent sagten das über Respekt bei Meinungsverschiedenheiten. Zugleich galt vieles als normal, was sich als Kontrolle deuten lässt: 71 Prozent fanden es normal, dass ein Partner eine sofortige Antwort erwartet, 64 Prozent das Teilen des Live-Standorts und 58 Prozent, zu prüfen, wem der Partner online folgt oder was er mag. „Wir normalisieren es als Zeichen dafür, wie sehr sie sich kümmern, statt als fehlenden Respekt vor unserer Selbstbestimmung“, zitiert der Bericht eine Studentin.

Die Forschenden sehen weniger ein Wissens- als ein „Übersetzungsproblem“: Schädliches Verhalten erscheine oft als Sorge, Zuneigung oder Humor, und Betroffene spürten Kontrolle, bevor sie Worte dafür hätten. Erlebten Studierende in Gruppen unerwünschte Kommentare oder Berührungen, sei Schweigen die häufigste Reaktion (43 Prozent); nur 9 Prozent nannten offenen Widerspruch. Die Stichprobe ist mit 330 Befragten klein, ob sie repräsentativ ist, geht aus den Berichten nicht hervor. Auf Basis der Ergebnisse startete eine Social-Media-Kampagne, später soll eine landesweite folgen. Im Sender Newstalk sprach die Psychotherapeutin Stephanie Regan am 14. Oktober über die Studie.

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder medizinische Beratung. Angaben mit dem genannten Datenstand.

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