Dreimonatsspritze: US-Debatte über Meningeom-Risiko – auch Deutschland warnt
In Mississippi wird die Verhütungsspritze Depo-Provera so häufig verschrieben wie nirgends sonst in den USA. Studien verbinden lange Anwendung mit einem höheren Risiko für meist gutartige Hirntumoren.

Symbolbild · Foto: Michael Barera / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Die Dreimonatsspritze mit dem Hormon Medroxyprogesteronacetat (MPA), in den USA unter dem Namen Depo-Provera bekannt, steht dort erneut in der Diskussion. Wie das Nachrichtenportal Mississippi Today am 19. Oktober berichtete, lösten Versicherte des staatlichen Gesundheitsprogramms Medicaid in Mississippi 2025 mehr als 19.000 Rezepte für das Mittel ein – bezogen auf die Zahl der Versicherten war das zum vierten Mal in Folge der höchste Wert in den USA. Weil eine Spritze etwa drei Monate wirkt, liegt die Zahl der tatsächlichen Anwenderinnen deutlich niedriger als die Zahl der Rezepte.
Hintergrund sind Studien, die eine lange Anwendung mit einem höheren Risiko für Meningeome verbinden – Tumoren der Hirnhäute, die meist gutartig sind. Eine französische Fall-Kontroll-Studie von 2024 mit mehr als 108.000 Frauen und eine US-Auswertung von 2025 mit mehr als zehn Millionen Frauen fanden ein erhöhtes Risiko nach längerer Anwendung, in der US-Studie nach mehr als vier Jahren. Die US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigte im Dezember 2025 einen entsprechenden Warnhinweis in der Packungsbeilage. „Das absolute Risiko ist sehr gering, und doch gibt es ein absolutes Risiko“, sagte die Ärztin Jennifer Karlin von der University of California, San Francisco, dem Portal. Mehr als 6.400 Klägerinnen haben in den USA die Hersteller verklagt; Pfizer einigte sich im Juni 2026 mit etwa 80 Prozent von ihnen, nach eigenen Angaben ohne Eingeständnis einer Haftung.
In Deutschland informierten die Hersteller bereits am 9. Oktober 2024 per Rote-Hand-Brief über das Risiko. Er betrifft hoch dosierte MPA-Präparate ab 100 Milligramm, darunter die Verhütungsspritzen Depo-Clinovir 150 mg und Sayana 104 mg. Das Meningeom-Risiko steige vor allem nach mehrjähriger Anwendung, die absoluten Risiken blieben sehr gering, heißt es darin. Bei einem bestehenden oder früheren Meningeom dürfen die Präparate zur Verhütung nicht angewendet werden; wird während der Behandlung ein Meningeom festgestellt, muss sie abgebrochen werden. Anwenderinnen sollen ärztlich auf mögliche Anzeichen überwacht werden. Niedriger dosierte Präparate unter 100 Milligramm sind von den Empfehlungen nicht betroffen.
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder medizinische Beratung. Angaben mit dem genannten Datenstand.
Quellen
- Mississippi Today: „Mississippi tops US for Medicaid enrollees prescribed birth control some say is linked to brain tumors“ (19.10.2026)
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Rote-Hand-Brief zu Medroxyprogesteronacetat (09.10.2024)
- Pharmaceutical Technology: FDA approves Depo-Provera label change on meningiomas (18.12.2025)
