Brasilien: Lula und Flávio Bolsonaro liefern sich hitziges erstes TV-Duell vor Stichwahl
Eine Woche vor der Stichwahl um Brasiliens Präsidentenamt haben sich Amtsinhaber Lula und Herausforderer Flávio Bolsonaro gegenseitig Lügen und Korruption vorgeworfen. Das Rennen gilt als offen.

Archivbild · Foto: BrunoGuedes1 / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und der rechte Senator Flávio Bolsonaro sind am Sonntagabend (Ortszeit) erstmals direkt aufeinandergetroffen. In der rund zweistündigen Debatte des Senders Band TV in São Paulo ging es nach Berichten von AP und Al Jazeera vor allem um gegenseitige Vorwürfe, kaum um Programme. Laut Al Jazeera nannte Lula seinen Gegner einen „notorischen Lügner“, Bolsonaro bezeichnete den Präsidenten als „Clown“. Am heftigsten wurde es, als Lula verlangte, beide sollten ihre privaten Finanzen offenlegen.
Der 45-jährige Bolsonaro, Sohn von Ex-Präsident Jair Bolsonaro, hatte die erste Runde am 4. Oktober mit 47 zu 45 Prozent knapp gewonnen. Die Stichwahl findet am 25. Oktober statt, ein zweites Duell ist für Freitag beim Sender TV Globo geplant. Umfragen deuten auf ein sehr enges Rennen hin. Bolsonaro versprach, die Wirtschaft werde sich bessern, wenn Lula abgewählt und die Korruption bekämpft werde; der 80-jährige Lula verteidigte seine Bilanz und seine Sozialprogramme. Zur Corona-Politik seines Vaters räumte Bolsonaro Fehler ein.
Die Bundespolizei hat beim Obersten Gericht Ermittlungen gegen Flávio Bolsonaro wegen eines Geldwäschevorwurfs beantragt, der einen ihm nahestehenden Anwalt betrifft. Er bestreitet jedes Fehlverhalten. Sein Vater verbüßt eine 27-jährige Haftstrafe wegen eines Putschversuchs. Die Wahl hat auch international Gewicht: Bolsonaro gilt als Verbündeter von US-Präsident Donald Trump, Lula setzt auf mehr Distanz zu Washington und engere Beziehungen zu China.
