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Satellitenstudie: 86 Prozent von 590 Alpenmooren gestört – Kohlenstoffspeicher unter Druck

Straßen, Gräben, Landwirtschaft, vordringender Wald: Die allermeisten untersuchten Moore in den Alpen zeigen laut einer Studie aus Brünn, Göttingen und Amsterdam Spuren menschlicher Eingriffe.

Symbolbild: Das Kematsriedmoos bei Oberjoch in den Allgäuer Alpen

Symbolbild · Foto: Stephan Sprinz / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (zugeschnitten und skaliert)

Forschende um Marian Schönauer von der Mendel-Universität im tschechischen Brünn haben den Zustand von Mooren in den Alpen mit Satellitendaten erfasst. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Communications Earth & Environment“; beteiligt waren unter anderem die Universität Göttingen und die Vrije Universiteit Amsterdam. Das Team kombinierte Radardaten der Sentinel-1-Satelliten, optische Daten von Sentinel-2 und Oberflächentemperaturen von Landsat-8 aus den Jahren 2019 bis 2023 mit Geländedaten. Trainiert wurde das Erkennungsmodell an 590 Referenzmooren aus amtlichen Verzeichnissen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, Abweichungen von amtlichen Karten wurden anhand von Luftbildern geprüft.

Das Ergebnis: 86 Prozent der 590 Referenzmoore zeigen sichtbare Störungen. An 59 Prozent fanden sich Straßen oder Gebäude, an 46 Prozent Entwässerungsgräben und an 27 Prozent landwirtschaftliche Nutzung. Auf mehr als einem Drittel der kartierten Fläche dringt Wald vor, fast die Hälfte der Standorte ist mehrfach belastet. Die amtlichen Verzeichnisse sind oft veraltet und nach Land unterschiedlich erhoben; einige Moore tauchten in keinem auf. Es handelt sich um eine modellgestützte Auswertung von Satellitendaten mit Unsicherheiten; die Autoren bezeichnen die Ergebnisse ihres besten Modells (auf Basis von Sentinel-2) als insgesamt „vernünftig“; Genauigkeitswerte nennt der Bericht nicht. Viele Alpenmoore sind kleiner als ein Hektar und daher schwer zu überwachen.

Moore gelten als langfristige Kohlenstoffspeicher: In ihren langsam wachsenden Schichten aus abgestorbenen Pflanzen ist über lange Zeiträume Kohlenstoff aus der Atmosphäre gebunden. Laut Simon Drollinger von der Arbeitsgruppe Bioklimatologie der Universität Göttingen regulieren Alpenmoore zudem den Wasserhaushalt; aktuelle Daten seien entscheidend, um Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen gezielt zu planen. Wie viel Kohlenstoff die gestörten Moore bereits verloren haben oder ausstoßen, hat die Studie nicht gemessen. Das Verfahren ließe sich laut Bericht auch auf Bergmoore in den Anden und auf dem Hochland von Tibet übertragen.

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