Mental Load: Frauen sind zufriedener, wenn der Partner das Mitdenken im Alltag teilt
Laut einer Studie aus Großbritannien und den USA hängt eher die unsichtbare Planungsarbeit als der Abwasch mit der Zufriedenheit von Frauen zusammen. Männer waren zufriedener, wenn die Partnerin mehr übernahm.

Symbolbild · Foto: Glenn Carstens-Peters / Wikimedia Commons, CC0 (zugeschnitten und skaliert)
Wer in einer Beziehung an Termine, Einkäufe oder Geburtstage denkt und den Alltag organisiert, leistet sogenannte mentale Arbeit – den „Mental Load“. Wie diese Last verteilt ist, könnte für die Zufriedenheit von Frauen wichtiger sein als die Aufteilung der Hausarbeit selbst. Das legt eine Studie der Psychologin Verena Klein von der University of Southampton gemeinsam mit Esra Ascigil, Tanja Oschatz und Rotem Kahalon nahe, die im Fachjournal „Personality and Social Psychology Bulletin“ erschienen ist; das Fachportal PsyPost berichtete am 9. Oktober. In einer ersten, vorab registrierten Untersuchung befragte das Team 452 Frauen aus Großbritannien, die mit einem männlichen Partner zusammenleben (Durchschnittsalter rund 42 Jahre, gut die Hälfte mit Kindern). Je mehr Mental Load der Partner übernahm, desto zufriedener waren die Frauen mit Beziehung und Sexualleben – die Zusammenhänge waren allerdings eher klein. Die körperliche Hausarbeit und Einstellungen zu Geschlechterrollen sagten die Zufriedenheit nicht mehr voraus, sobald der Mental Load berücksichtigt wurde.
In einer zweiten Untersuchung mit 156 heterosexuellen Paaren aus Großbritannien und den USA (Durchschnittsalter rund 38 Jahre, im Schnitt 13 Jahre zusammen) gaben beide Partner an, dass Frauen mehr mentale Arbeit tragen – besonders bei Aufgaben rund um die Kinder. Frauen waren am zufriedensten, wenn die Last gleich verteilt war; Männer berichteten dagegen eine höhere Beziehungszufriedenheit, wenn ihre Partnerin mehr übernahm. „Selbst Frauen, die ausdrücklich gleichberechtigte Ansichten vertraten, konnten einen unverhältnismäßig großen Anteil tragen“, sagte Klein laut PsyPost.
Die Studie hat klare Grenzen: Beide Teile sind Momentaufnahmen und zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Die zweite Untersuchung war nicht vorab registriert, die Fragebögen mit 17 Punkten zum Mental Load entwickelte das Team selbst, sie müssen noch weiter überprüft werden. Der nicht beteiligte Psychologe Geoff MacDonald von der University of Toronto gab zu bedenken, die Skala könne auch erfassen, wie zugewandt jemand den Partner erlebt oder wie gewissenhaft er ist. Befragt wurden nur Menschen aus Großbritannien und den USA, die Arbeitszeiten im Beruf wurden nicht erfasst. Angaben zur Finanzierung enthält der PsyPost-Bericht nicht.
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder medizinische Beratung. Angaben mit dem genannten Datenstand.
Quellen
- PsyPost: „The invisible chore that may matter more for women’s relationship happiness than housework“ (09.10.2026)
- Personality and Social Psychology Bulletin: Klein, Ascigil, Oschatz, Kahalon – „Unequal Burdens, Unequal Benefits: Housework, Mental Load, and Gendered Satisfaction in Heterosexual Relationships“ (2026)
