Völkermord in Namibia: Nachfahren der Opfer fordern im Bundestag Reparationen
Vertreter der Ovaherero und Nama dringen in Berlin auf Wiedergutmachung. Am Abend debattiert der Bundestag über Anträge von Linken und Grünen.

Archivbild · Foto: Photo: Andreas Praefcke / Wikimedia Commons, CC BY 3.0 (zugeschnitten und skaliert)
Mehr als 120 Jahre nach dem Völkermord im damaligen Deutsch-Südwestafrika dringen Vertreter der Ovaherero und Nama in Berlin auf Gerechtigkeit. Der Bundestag debattiert am späten Mittwochabend 30 Minuten lang über zwei Anträge von Linken und Grünen zur vollen Anerkennung der Verbrechen von 1904 bis 1908. Nach UN-Schätzungen wurden damals rund 80 Prozent der Ovaherero und 50 Prozent der Nama getötet.
Der Grünen-Antrag verlangt eine offizielle Entschuldigung der Bundesregierung, aber keine Reparationen. Die Linke geht weiter und fordert Wiedergutmachung für die Nachfahren sowie einen gemeinsam mit den Gemeinschaften entwickelten Mechanismus. Chief Mutjinde Katjiua von der Ovaherero Traditional Authority betonte, Entwicklungshilfe sei kein Ersatz für umfassende Reparationen.
Abgestimmt wird am Abend nicht, beide Anträge sollen an den Auswärtigen Ausschuss gehen. 2021 hatte die Bundesregierung die Taten als Völkermord anerkannt und 1,1 Milliarden Euro über 30 Jahre für Entwicklungsprojekte zugesagt. Die Vereinbarung mit Namibia wurde nie ratifiziert; die Opfergemeinschaften waren an den Verhandlungen nicht beteiligt.
