Nature-Studie: Westeurasische Steppe ist abrupt heißer und trockener geworden
Seit 2006 herrscht in der Steppe zwischen Schwarzmeerraum und Zentralasien ein trockeneres Klima – stärker als natürliche Schwankungen erklären. Eine Erholung ist nicht zu erkennen.

Grafik: TERRA WORLD NEWS (eigene Darstellung nach den genannten Quellen)
In der westeurasischen Steppe hat sich das Klima nach einer neuen Studie sprunghaft verändert. Die Sommer sind dort in einem Ausmaß trockener geworden, das die natürlichen Schwankungen des vergangenen Jahrhunderts übersteigt, berichtet ein Team um Jinling Piao vom Institut für Atmosphärenphysik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Seoul National University im Fachjournal Nature Geoscience (online seit 12. Oktober). Korrespondierende Autoren sind Jong-Seong Kug (Seoul) und Wen Chen (Yunnan-Universität); DOI: 10.1038/s41561-026-02125-8. Untersucht wurde das Gebiet zwischen 40 und 55 Grad nördlicher Breite und 30 und 65 Grad östlicher Länge – grob vom Schwarzmeerraum bis nach Zentralasien.
Grundlage sind Beobachtungsdaten von 1901 bis 2024, darunter auf Wetterstationen beruhende Datensätze sowie, Reanalyse- und Satellitendaten zur Bodenfeuchte. Ein statistisches Verfahren erkennt den Regimewechsel im Jahr 2006; am stärksten trocknete die Region zwischen 2004 und 2010 aus. Anzeichen einer Erholung sehen die Forscher im Beobachtungszeitraum nicht. Um die Ursachen zu trennen, verglichen sie diese Beobachtungen mit großen Modellensembles, darunter 100 Läufe des Max-Planck-Modells MPI-GE. Ergebnis: Äußere Antriebe, zu denen die menschengemachten Treibhausgase gehören, sorgten für den Trocknungstrend, natürliche Klimaschwankungen verstärkten ihn seit Anfang der 1990er-Jahre.
Dazu kommt eine Rückkopplung: Trocknet der Boden aus, verdunstet weniger Wasser, das kühlt. Stattdessen heizt sich die Luft stärker auf, Hitzeextreme und Wassermangel nehmen zu. Die Autoren verbinden das mit Landverödung – etwa dem Übergang von Grasland zu kargem Boden – und einer geringeren Pflanzenproduktivität. Als Kipppunkt oder unumkehrbar bezeichnen sie den Wandel ausdrücklich nicht, sie sprechen von einem anhaltenden Regimewechsel. Konkrete Beträge der Erwärmung nennt der Studientext nicht; die statistischen Tests beziehen sich auf ein Signifikanzniveau von 95 Prozent.
