Modellstudie: Früheres Netto-Null bremst El-Niño-artigen Umbau des Pazifiks
Auch nach einem Emissionsstopp bleibt der tropische Pazifik über Jahrhunderte verändert, zeigen Simulationen aus Melbourne. Wer früher stoppt, begrenzt aber extreme El-Niño-Ereignisse.

Symbolbild · Foto: NASA / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Die Erderwärmung verschiebt den tropischen Pazifik dauerhaft in Richtung eines El-Niño-ähnlichen Grundzustands – und das lässt sich auch mit Netto-Null-Emissionen nicht rasch rückgängig machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Modellstudie unter Leitung der University of Melbourne mit Partnern unter anderem der Australian National University, der University of Reading und der Forschungsbehörde CSIRO. Sie erschien am 13. Oktober in Communications Earth & Environment (DOI: 10.1038/s43247-026-04082-x). Der übliche Temperaturunterschied zwischen dem wärmeren West- und dem kühleren Ostpazifik schwächt sich dabei ab; ein dauerhaftes El Niño bedeutet das ausdrücklich nicht.
Die Forscher werteten neun Erdsystemmodelle aus, in denen die Emissionen bei einer Erwärmung von etwa 2 Grad gestoppt werden, und ließen das australische Modell ACCESS 1000 Jahre weiterlaufen, nachdem die Emissionen 2030, 2045 oder 2060 enden. Weil sich der Südliche Ozean und die Tiefsee weiter erwärmen, bleibt der veränderte Zustand jahrhundertelang bestehen; in acht von neun Modellen schwächt sich das Temperaturgefälle sogar weiter ab. Im ACCESS-Modell steigt der Anteil extremer El-Niño-Ereignisse von 1,7 Prozent in vorindustrieller Zeit auf 26,3 Prozent bei einem Stopp 2060 – bei einem Stopp 2030 sind es 16,4 Prozent. Änderungen der El-Niño-Stärke hängen allerdings stark vom Modell ab.
„Wir haben klare Vorteile einer schnellen Emissionsminderung gefunden“, sagte Ko-Autor Andrew King, Associate Professor an der University of Melbourne. Netto-Null früher zu erreichen, verringere das Risiko, künftigen Generationen einen erheblich veränderten tropischen Pazifik zu hinterlassen. Die Studie beschreibt Projektionen, keine Messungen. Sie erscheint, während ein realer El Niño an Stärke gewinnt: Die Weltwetterorganisation WMO erwartet den Höhepunkt im Dezember und hält ihn für möglicherweise einen der stärksten seit mindestens 1950 (Mitteilung vom 8. Oktober).
