Nord-Stream-Anschlag: Erster Prozess in Deutschland beginnt heute in Hamburg
Ein 50-jähriger Ukrainer soll die Sprengung der Ostsee-Pipelines 2022 koordiniert haben. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm unter anderem ein Kriegsverbrechen vor. Er bestreitet die Tat.

Archivbild · Foto: Ajepbah / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de (zugeschnitten und skaliert)
Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg beginnt am Mittwoch um 11 Uhr der erste deutsche Prozess um die Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines. Angeklagt ist der 50-jährige Ukrainer Serhij K. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm ein Kriegsverbrechen durch einen Angriff auf zivile Objekte vor, außerdem das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Zerstörung von Bauwerken und Störung öffentlicher Betriebe. Bis 17. Dezember sind 16 Verhandlungstage angesetzt, weitere im Januar und Februar 2027.
Nach Überzeugung der Ermittler brachte eine siebenköpfige Gruppe von der Segeljacht „Andromeda“ aus Sprengsätze an den Leitungen an. Am 26. September 2022 explodierten sie nahe der dänischen Insel Bornholm und rissen drei der vier Röhren von Nord Stream 1 und 2 auf. K. war im August 2025 im Urlaub an der Adriaküste festgenommen und im November nach Deutschland ausgeliefert worden; seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
Sein Anwalt Nicola Canestrini weist die Vorwürfe zurück. „Er hat gesagt, er hätte damit nichts zu tun“, sagte er dem ZDF; sein Mandant sei zur Tatzeit in der Ukraine gewesen. Das Gericht lehnte es ab, die Betreibergesellschaften Nord Stream AG und Nord Stream 2 AG als Nebenkläger zuzulassen. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
