Ghosting: Wer nicht mehr antwortet, fühlt sich oft schlechter als gedacht
Eine Studie aus Berkeley und Cambridge zeigt: Wer auf Nachrichten plötzlich nicht mehr reagiert, leidet oft selbst darunter – die Ignorierten unterschätzen das. Eine kurze Antwort kann helfen.

Symbolbild · Foto: Océanos y dados / Wikimedia Commons, CC0 (zugeschnitten und skaliert)
Wer im Chat plötzlich verstummt, gilt schnell als gleichgültig. Eine neue Studie legt nahe, dass das oft nicht zutrifft: Menschen, die „ghosten“, fühlen sich dabei häufig schlechter, als die Ignorierten annehmen. Die Arbeit von Sophia Li und Juliana Schroeder (Haas School of Business der University of California, Berkeley) sowie Coral Zheng (Judge Business School der University of Cambridge) ist in der Fachzeitschrift „Personality and Social Psychology Bulletin“ erschienen; das Fachportal PsyPost stellte sie am 13. Oktober vor. Untersucht wurde Ghosting vor allem unter flüchtigen Bekannten und Fremden, nicht in Liebesbeziehungen.
In einer ersten Befragung erinnerten sich 195 Erwachsene an eine Situation, in der sie online jemanden geghostet hatten oder selbst geghostet worden waren. Auf einer Skala von 1 bis 5 gaben die „Ghoster“ im Schnitt 2,27 an, wie schlecht sie sich gefühlt hatten – die Ignorierten schätzten das nur auf 1,56. In einem zweiten Versuch mit 601 Teilnehmenden, die sich die Lage vorstellten, verkleinerte schon eine kurze Antwort wie „Sorry, ich kann gerade nicht reden“ die Lücke deutlich. Zheng rät Geghosteten, zu bedenken, dass sich die Person, die nicht geantwortet hat, „wahrscheinlich schlechter fühlt, als man erwartet“; wer selbst verstummen will, solle „vielleicht vorher eine kurze Antwort schicken“.
Einschränkungen: Ein drittes Live-Experiment mit 229 Chat-Paaren, von denen 175 ausgewertet wurden, bestätigte den Gesamteffekt nicht; nur in einer nachträglichen, nicht vorab geplanten Auswertung zeigte er sich bei Teilnehmenden, die das Verhalten tatsächlich als Ghosting empfanden. Alle Teilnehmenden lebten in den USA, die Chats waren kurz und fanden zwischen Fremden statt – auf Ghosting durch Partner oder enge Freunde lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragen. Angaben zur Finanzierung enthalten weder das Manuskript noch der PsyPost-Bericht.
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder medizinische Beratung. Angaben mit dem genannten Datenstand.
Quellen
- PsyPost: „People who ghost tend to feel worse about it than the people they ghost realize“ (13.10.2026)
- UC Berkeley / eScholarship: Li, Zheng, Schroeder – „The Pain of Ghosting? People Underestimate How Bad Their Conversation Partners Feel About Not Responding“ (Personality and Social Psychology Bulletin, 2026)
