Glaschip so groß wie eine Briefmarke verbindet Teleskope zu einem großen Instrument
Ein wenige Zentimeter großer Glaschip hat am CHARA-Teleskopverbund in Kalifornien erstmals Licht von zwei Teleskopen kombiniert. Das Instrument CHARIOT erfasste so auch Sterne, die sein Vorgänger nicht erreichte.

Archivbild · Foto: NOIRLab/NSF/AURA / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Astronomen schalten mehrere Teleskope zusammen, damit sie wie ein einziges, viel größeres Instrument wirken. Bisher braucht es dafür aufwendige optische Aufbauten. Forschende der Heriot-Watt University in Schottland und des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam haben gezeigt, dass ein Glaschip von nur wenigen Zentimetern diese Aufgabe übernehmen kann. Die Studie um Erstautorin Dr. Aline Dinkelaker erschien in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ (DOI 10.1093/mnras/stag1745); Heriot-Watt stellte sie am 27. Oktober vor.
In den Chip sind mit ultrakurzen Laserpulsen lichtleitende Kanäle eingeschrieben. Getestet wurde er im Instrument CHARIOT am CHARA-Teleskopverbund mit sechs Teleskopen auf dem Mount Wilson in Kalifornien, bei Beobachtungen 2024 und 2025 im Infrarot um 2,2 Mikrometer. CHARIOT erfasste Signale von schwächeren Sternen als das Vorgängersystem; bei hellen und mittelhellen Sternen war der Vorgänger JouFLU laut ingenieur.de aber teils noch präziser. Chips lassen sich innerhalb weniger Stunden austauschen, um neue Designs zu testen.
„Das ist ein bedeutender Meilenstein für ein Forschungsprogramm, das vor mehr als 15 Jahren begann“, sagt Professor Robert Thomson von der Heriot-Watt University. Beteiligt waren auch die Universitäten Köln und Potsdam sowie die Georgia State University, die den CHARA-Verbund betreibt. Langfristig prüft das Team, ob sich das Instrument von zwei auf vier Teleskope erweitern lässt. Anwendungen sieht die Universität etwa bei der Erforschung, wie Planetensysteme entstehen.
