Steinmeier-Nachfolge: Stegner wirft Union Taktik vor – CSU drängt Merz
SPD-Politiker Stegner sieht im Umgang von CDU und CSU mit Ilse Aigner nur Taktik. Die CSU-Spitze verlangt vom Kanzler nach dem Parteitag eine rasche Entscheidung.

Archivbild · Foto: Michael Lucan / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de (zugeschnitten und skaliert)
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner hat CDU und CSU im Streit um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier scharf kritisiert. Die Führungen beider Unionsparteien seien „offensichtlich ausschließlich von taktischen Erwägungen geleitet“, sagte er der „Rheinischen Post“, wie die Nachrichtenagentur dts am Sonntag meldete. Das sei „weder angemessen gegenüber dem Amt“ noch besonders respektvoll gegenüber der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Stegner sieht darin ein Zeichen der Führungskrise in der Union, nannte Aigner aber eine respektable Kandidatin für das Amt des ersten weiblichen Staatsoberhaupts der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Aus der CSU wächst nach dem Münchner Parteitag der Druck auf Kanzler Friedrich Merz (CDU). CSU-Fraktionschef im Landtag Klaus Holetschek sagte dem „Stern“, Merz habe gesehen, „wie groß die Zustimmung für Ilse Aigner ist“; das „Zeitfenster“ für eine Entscheidung sei gekommen. Der frühere Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) erwartet, dass es „in Richtung Ilse Aigner läuft“, und deutet das Schweigen des Kanzlers als „Frage der Taktik“.
Die Bundesversammlung soll am 30. Januar 2027 das neue Staatsoberhaupt wählen; CDU, CSU und SPD haben dort nach dts-Angaben eine Mehrheit. Aus der CDU liegt bislang kein eigener Vorschlag vor.
