Kondom vor Pille: Bundesärztekammer stellt Fakten gegen Verhütungsmythen
Die Bundesärztekammer hat eine Übersicht zu den gängigen Verhütungsmethoden vorgelegt. Sie reagiert damit auf Falschinformationen in sozialen Medien – und fordert mehr Angebote für Männer.

Archivbild · Foto: Fridolin freudenfett / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Die Bundesärztekammer (BÄK) hat eine wissenschaftliche Übersicht zu Verhütungsmethoden veröffentlicht. Die Stellungnahme „Kontrazeption – Bewertung unter medizinisch-wissenschaftlichen Gesichtspunkten“ beschloss der Vorstand auf Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats; die Kammer stellte sie am 16. Oktober vor, erschienen ist sie im Deutschen Ärzteblatt. Bewertet werden hormonelle und nicht-hormonelle Methoden nach Verhütungssicherheit, Risiken, Vorteilen und dem Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Ausdrücklich soll keine Methode bevorzugt werden. Anstoß war eine Debatte des 129. Deutschen Ärztetags 2025 über die Vermeidung ungewollter Schwangerschaften.
Hintergrund ist laut BÄK, dass sich Fehlinformationen zur Verhütung über soziale Medien schneller verbreiten als früher – neben fundierten Inhalten finden sich dort Werbung, einseitige Darstellungen und Meinungen von Influencern ohne Fachwissen. Präsident Klaus Reinhardt nennt neutrale, ergebnisoffene Beratung deshalb heute relevanter denn je. Wie sich das Verhalten verschoben hat, zeigen Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) von 2024: 51 Prozent der Paare zwischen 18 und 49 Jahren verhüten mit Kondom, 31 Prozent mit der Pille. Das Kondom hat die Pille damit als meistgenutztes Mittel abgelöst. Zudem geben Apotheken jährlich rund 900.000 Einheiten der „Pille danach“ ab, Tendenz steigend.
Männern stehen bislang nur Kondom und Vasektomie zur Verfügung. Die Kammer fordert deshalb Beratungsangebote, die Männern helfen, mehr Kompetenz und Verantwortung bei der Verhütung zu übernehmen, sowie Forschung an neuen Methoden für Männer. „Reproduktive Selbstbestimmung und Gesundheit betreffen aber beide Geschlechter“, sagt Julia Gallwas, die den zuständigen Arbeitskreis leitete. Beiratschef Michael Hallek betont: „Von besonderer Bedeutung sind die ärztliche und schulische Aufklärung.“ Ärztinnen und Ärzte sollen zudem auf ihren Websites und in sozialen Medien auf verlässliche Informationsangebote verweisen können.
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