Nature Geoscience: Arktisches Wintereis könnte stärker schwinden als erwartet
Forschende aus Cambridge prüfen Klimamodelle mit Daten von vor 6000 Jahren. Ergebnis: Das winterliche Meereis könnte künftig rund eine Million Quadratkilometer kleiner sein als bisher berechnet.

Foto: Kirill.uyutnov / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Das winterliche Meereis in der Arktis könnte stärker zurückgehen, als Klimamodelle bisher vorhersagen. Das ergibt eine Studie in der Fachzeitschrift Nature Geoscience unter Leitung des Scott Polar Research Institute der Universität Cambridge, an der auch das mexikanische Forschungszentrum CIMAT beteiligt war. Das Team stellte die bislang größte Datenbank zum Biomarker IP25 zusammen – einer Substanz, die Algen im Meereis bilden und die sich in Sedimenten am Meeresboden erhält.
Mit diesen Daten prüften die Forschenden 27 Klimamodelle am Mittleren Holozän vor rund 6000 Jahren. Modelle, die die Vergangenheit besser abbilden, erhielten mehr Gewicht. Bisher sagten die Modelle insgesamt mehr Wintereis voraus, als die alten Daten zeigen. Nach der Gewichtung liegen die Zukunftsprojektionen um etwa eine Million Quadratkilometer niedriger; die Bandbreite einiger Projektionen schrumpft um bis zu 85 Prozent. Es handelt sich um Modellprojektionen, nicht um Messungen.
Messungen zeigen den Trend bereits: Im März 2025 war das winterliche Meereismaximum das niedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen, 2026 wurde der Tiefstwert erneut erreicht. Laut Studie unterschätzen die Modelle womöglich auch künftige Schneefälle im Südosten Grönlands und Niederschläge im Mittelmeerraum. Ob die Erwärmung natürlich oder menschengemacht sei, spiele keine Rolle: „Wenn es wärmer wird, wird das Meereis schmelzen“, sagte Erstautorin Crystal Fu.
