Windkraft auf See: Reiche will Rückgabe unrealistischer Zuschläge ermöglichen
Die Wirtschaftsministerin räumt „wesentliche Mängel“ bei den Auktionen ein. Unrentable Projekte sollen neu vergeben werden – die Firmen bleiben aber in der Pflicht.

Symbolbild · Foto: U.S. Department of Energy from United States / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will in Ausnahmefällen eine geordnete Rückgabe und Neuvergabe von Flächen für Offshore-Windparks ermöglichen. Sie reagierte damit auf einen Brief von acht Bundesländern, die vor einem „Fadenriss“ beim Ausbau der Windkraft auf See und vor Jobverlusten gewarnt hatten. Die Unternehmen sollen dabei laut Reiche finanziell verpflichtet bleiben. Das deutsche Auktionssystem für Offshore-Wind habe „wesentliche Mängel“ aufgewiesen, sagte die Ministerin. Bekannte Risiken seien ignoriert worden, es sei eine Lücke zwischen Gebot und Realisierung entstanden. „Diese Lücke zu schließen, ist jetzt unsere Aufgabe.“
In den Jahren 2023 und 2024 waren Flächen für rund 16 Gigawatt vergeben worden – mehr als das Anderthalbfache der heute in deutschen Gewässern installierten Leistung. Nach Informationen des Handelsblatts aus Ministeriumskreisen sind die Investitionskosten in drei Jahren um etwa 50 Prozent gestiegen; Netzanbindungen über große Konverterplattformen verzögern sich teils um Jahre. Der Konzern TotalEnergies hatte geplante Rückgaben bereits im Juni mit Verzögerungen beim Netzanschluss begründet.
Den Brief unterzeichneten die Regierungschefinnen und -chefs von Niedersachsen, Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Bremen, dem Saarland und Schleswig-Holstein. Auch die Verbände BWO und BDEW fordern eine Rückgabemöglichkeit. Im Gesetzentwurf der Bundesregierung ist eine einseitige Rückgabe von Zuschlägen bislang nicht vorgesehen; ob sich Bund und Länder im parlamentarischen Verfahren einigen, ist offen.
