Alabama: Gouverneurin Ivey wandelt Todesurteil um – Zweifel an der Beweislage
Toforest Johnson saß fast 30 Jahre im Todestrakt. Gouverneurin Kay Ivey wandelte die Strafe in lebenslange Haft um – ausdrücklich ohne ihn für unschuldig zu erklären.

Archivbild · Foto: Goat Hill Check / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Alabamas Gouverneurin Kay Ivey hat das Todesurteil gegen Toforest Johnson in lebenslange Haft ohne Möglichkeit vorzeitiger Entlassung umgewandelt. Johnson war für den Mord an Hilfssheriff William Hardy verurteilt worden, der 1995 bei einem Nebenjob als Sicherheitskraft an einem Hotel in Birmingham erschossen wurde. Sie habe Bedenken gehabt, dass es nicht genügend direkte Beweise für die schwerste Strafe gebe, erklärte Ivey laut AP. Ihre Entscheidung sei aber „keine Feststellung der Unschuld“. Hardy sei „als Held gestorben“. Vor ihrer Entscheidung hatte Ivey nach Angaben des Senders WVTM 13 die Familie des Opfers und Generalstaatsanwalt Steve Marshall informiert.
Johnson, der fast 30 Jahre im Todestrakt saß, beteuert seine Unschuld; sein Anwalt kündigte an, weiter vor Gericht für die Aufhebung des Urteils zu kämpfen. Unterstützung erhält er vom amtierenden Bezirksstaatsanwalt Danny Carr, der 2024 schrieb, die Beweise in dem Fall hätten sich über 20 Jahre hinweg „aufgelöst“. Carr verweist auf Alibizeugen. Die Hauptbelastungszeugin, die ein Geständnis mitgehört haben will, erhielt laut AP 2001 für ihre Aussage 5.000 Dollar; Johnsons Anwälte werfen dem Staat vor, dies verschwiegen zu haben. Auch ein früherer Generalstaatsanwalt und zwei frühere Vorsitzende Richter des Obersten Gerichts von Alabama befürworten einen neuen Prozess.
Marshall hatte Ivey in einem Brief vom 16. Oktober gebeten, den Gnadenantrag abzulehnen und das Urteil der Geschworenen zu respektieren. Ivey betonte, die Todesstrafe bleibe in Alabama eine Option. Nach AP-Angaben fielen in ihre Amtszeit 27 Hinrichtungen, zugleich wandelte sie drei Todesurteile um. Johnson wurde 1998 der Prozess gemacht; nach seinen Angaben war er zur Tatzeit am anderen Ende der Stadt.
