Science-Studie: Erwärmung hat womöglich eine beginnende Vereisung gestoppt
Der letzte Rest des nordamerikanischen Eisschilds wuchs laut Columbia-Forschern 2000 Jahre lang wieder – bis um 1960 die Schmelze einsetzte.

Archivbild · Foto: European Space Agency / Wikimedia Commons, Attribution (zugeschnitten und skaliert)
Die menschengemachte Erwärmung hat nach Deutung der Autoren einer neuen Studie im Fachjournal Science den Anfang einer natürlichen Vereisung in Nordamerika abgebrochen. Forscher des Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University um die Geochemiker Nicolás Young und Joerg Schaefer untersuchten die Barnes-Eiskappe auf der Baffininsel in Kanada, den letzten Überrest des Laurentidischen Eisschilds. Dieser bedeckte vor etwa 95.000 bis 20.000 Jahren große Teile Kanadas und des Nordens der USA. Die Studie erschien am 22. Oktober.
Gemessen haben die Forscher das Alter von Pflanzenresten, die unter dem zurückweichenden Eis zum Vorschein kamen, mit der Radiokarbonmethode; dazu kamen Daten kleinerer, inzwischen geschmolzener Eiskappen. Demnach war das Eis vor etwa 3000 Jahren am kleinsten und wuchs ab etwa 2000 Jahren wieder. Um 1960 kehrte sich der Trend um: Seither verliert die Eiskappe im Sommer mehr Eis, als im Winter hinzukommt. „Es ist ein sehr eindrückliches Beispiel dafür, wie stark wir das System durchgerüttelt haben“, sagte Young.
Die Deutung ist nicht unumstritten: Dass schon das erneute Wachstum einer Eiskappe den Beginn einer Kaltzeit markiert, widerspricht laut Columbia gängigen Definitionen; frühere Modellstudien sahen die nächste Vereisung erst in Tausenden bis Zehntausenden Jahren. Fehlerbereiche der Datierungen nennt die Mitteilung nicht. Modelle sagen voraus, dass die Barnes-Eiskappe in den kommenden Jahrhunderten vollständig verschwindet – eine Projektion, keine Messung.
