Nature: Amazonas gibt mehr CO2 ab, als er aufnimmt – Hauptursache sind Brände
Messflüge über 15 Jahre: Im Schnitt setzte der Amazonas jährlich rund 1,17 Milliarden Tonnen CO2 frei. Dürren verstärken den Effekt, Ursache ist laut Studie der Mensch.

Symbolbild · Foto: Jesse Allen and Robert Simmon / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Der Amazonas-Regenwald war zwischen 2010 und 2024 unterm Strich eine Kohlendioxidquelle. Das zeigt eine am 21. Oktober in Nature veröffentlichte Studie unter Leitung der Klimaforscherin Luciana Gatti vom brasilianischen Weltraumforschungsinstitut INPE, beteiligt waren unter anderem die US-Wetterbehörde NOAA und die Universität São Paulo. Im Mittel setzte die Region demnach rund 0,32 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr frei, umgerechnet etwa 1,17 Milliarden Tonnen CO2. Allein Brände verursachten rund 1,47 Milliarden Tonnen, die Vegetation nahm netto nur etwa 300 Millionen Tonnen auf.
Die Zahlen beruhen auf Messungen: Kleinflugzeuge nahmen an vier Orten in bis zu 4,4 Kilometern Höhe Luftproben, insgesamt 1017 Vertikalprofile, und verglichen sie mit Luft vom Atlantik. In Dürrejahren wie 2015, 2016, 2023 und 2024 lag die Bilanz bei etwa 1,8 Milliarden Tonnen CO2. In den Jahren 2019 bis 2022 stieg sie auf rund 1,58 Milliarden Tonnen, als die Abholzung um 97 Prozent zunahm, obwohl es kaum trockener war. Blitze lösten 2023 nur 1,6 Prozent der Brände aus. „Das Problem am Amazonas ist menschliches Handeln“, sagte Gatti laut FAPESP.
Formale Fehlerbereiche nennen die Fachberichte nicht; die Schwankungen von Jahr zu Jahr sind groß. Die Autoren halten die Brandemissionen 2023 und 2024 eher für unterschätzt, weil hoch aufsteigender Rauch teils oberhalb der Messflüge liegt. Über 46 Jahre ging der Niederschlag in der Region um etwa 8 Prozent zurück, die Temperatur stieg um 1,13 Grad. Dürren durch El Niño verstärkten den Effekt, seien aber nicht die eigentliche Ursache, so die Forscher.
